| Arnold Schönberg
Berlind-Südende
Berlinerstr. 17a, I.
Tel.: Tempelhof 174
20.III.1914
Sehr verehrter Herr Hinrichsen,
Ihre Noblesse hat mir eine außerordentliche Freude gemacht. Ich bin wirklich sehr glücklich, daß ich durch meine Musik nun endlich willigen und theilnehmenden Freunden Freude machen kann, und ich bin froh, nun auch Anerkennung zu finden. Und ich betrachte es als ein glückliches Symbol für die Wirkung meiner Musik, daß Sie denjenigen, denen sie gefällt, das Bedürfnis erweckt mir Freude zu machen. Ich fühle mich so, wie es in dem herrlichen Gedicht Georges, "Entrückung" (das den IV. Satz meines II. Quartettes bildet) heißt:
"Ich bin ein Funke nur vom heilgen Feuer,
ich bin ein Dröhnen nur der heiligen Stimme..."
Ich möchte den Menschen, die glauben wollen gerne erzählen von dem heiligen Feuer und wenn Sie mich dann durch Freundschaft und Teilnahme grüßen, möchte ich es unpersönlich nehmen und es der Sache zuwenden; möchte ich wünschen, daß man in mir eine Sache sieht; die Sache, die ich anstrebe: ein tönender Ausdruck der Menschenseele zu sein und ihrer Sehnsucht zu Gott.
In diesem Sinn freue ich mich über Anerkennung und Freundschaft, die man mir schenkt: die gehört der Sache.
Lassen Sie mich Ihnen nochmals vielmals danken und den Wunsch äußern: sie mögen an diesem Werk nun auch bald künstlerische Freuden erleben.
In herzlichster Ergebenheit bin ich mit größter Hochachtung
Ihr
Arnold Schönberg
|