Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1914.04.28 Filing Element: 1914.04.28
ID: 7703
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B077034
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
First Line: Sie haben anscheinend einen etwas „scharfen“ Tag
Language: G, German
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Final versionprinted (4p.)2p., 2p.GA Reihe B/Band 16,3p. 122-123, 223-224 (partial)

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Version: Final version
Text: 28/4. 1914

Lieber Herr Direktor, Sie haben anscheinend einen etwas „scharfen“ Tag gehabt, als Sie meine letzten Briefe beantworteten. Da deren sprichwörtliche Liebenswürdigkeit kaum Anlass giebt zu soviel Ironie, wie Sie für mein „Ansehen“ aufwenden, so nehme ich an, dass Sie eine Magenverstimmung gehabt haben und wünsche baldige Besserung.
Zum Glück gleiten Ihre Sticheleien schon deshalb an mir ab, weil sie durch die Tatsachen überholt sind. Denn (von Prag haben Sie behauptet, dass wir „damit zu rechnen haben“; nicht ich) drei Aufführungen der Gurrelieder sind sie fürs nächste Jahr.
1.) die Münchner laut Walters Brief im Februar
2.) " Amsterdamer " beiliegendem " am 11. 12. 13. Dezbr.
3.) " Leipziger am 3. November.
Ich hoffe mein Triumph freut Sie mehr, als meine berechtigte (!!) Bosheit, Sie ärgert. Denn (und das zur Erwiderung auf Ihre Bemerkung, Sie könnten sich nicht außschließlich von der Rücksicht auf meine Interessen leiten lassen, ohne auf die des Verlages zu achten) was mein Urteil ist, ist doch auch der des Verlages und selbst wenn meine Tantièmenanteile noch so sehr erhöht würden, bleibt Ihre Freude (beachten Sie die feine philosophische Umschreibung) stets die größere.
Freuen Sie sich also!
Ich tue es auch, denn jetzt habe ich mich revanchirt und bin wieder gut !

I) Aus dem beiliegenden Amsterdamer Brief entnehme ich, dass Sie das Material offenbar noch nicht angeboten haben, weil Sie sich über die Herstellung noch nicht entschieden haben. Ich möchte Ihnen deshalb 3 Vorschläge machen
1) Ich bin einverstanden damit dass Sie die Gurrelieder-Partitur einstweilen nicht drucken, sondern warten bis soviele Aufführungen gesichert sind, dass der Stich sich für Sie lohnt. Denn ich möchte um jeden Preis gerne eine gestochene Partitur davon haben. Und ich wünsche sehnlichst ich genösse bei Ihnen (nun können Sie sich wieder über meinen altmodischen Stil lustig machen !) soviel Ansehen, nicht wie meine Werke Ihrem Kunstwert nach verdienen – soviel verlange ich gar nicht) dass es Ihnen eine Freude wäre, meine Bitte zu erfüllen und dass Sie die Autoren, mit denen Sie mich vergleichen, ausschließlich unter denen wählten, die künstlerisch höher stehen, als ich. Also, bitte: belassen wir es solange bei der geschriebenen Partitur
2. Lassen Sie auch das Material nicht anfertigen, sondern benützen Sie das geschriebene. und zwar:
das Leipziger für Leipzig u.
Amsterdam.
das neuefür München,
und stellen Sie den Amsterdamern folgende Anträge. Entweder
a) Dass Sie denen das Leipziger Material verkaufen, aber die Bedingung stellen, dass Sie es für einige von Ihnen zu nennende Aufführungen zur Verfügung stellen (also z. Bsp. für die Leipziger) und dass Sie es umtauschen, sobald es gedruckt wird. Oder
b) dass Sie es Ihnen für 6 oder 8 Aufführungen leihen gegen eine Gebühr von x M. und eine weitere Gebühr von 100 Mark für jede folgende Aufführung.
Mir scheint dieser Ausweg möglich und Sie sehen daran, dass ich auch bestrebt bin, Ihre Interessen zu wahren !!
So! Und nun bitte ich Sie, bringen wir auch die Sache mit der Harmonielehre in Ordnung. Mein Wunsch ist nicht unbillig, das werden Sie wohl selbst finden und ich bin überzeugt, es ist auch Ihr Wunsch, meine Einkünfte so regelmäßig, wie möglich zu gestalten.
An Frau Zehme schreibe ich, dass Sie sofort bei Ihnen das Material bestellt. (Es handelt sich in Leipzig nur mehr darum, dass ich die Proben hintereinander haben möchte)
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg

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