| Montag, [ilg.] 1922
Lieber Herr Direktor,
ich bin wirklich nicht imstande, nur so rasch auszudrücken, ob ich dazu berechtigt bin irgend etwas von Tischer zu fordern: da ich im Sinne der Gerechtigkeit, wie ich sie auffasse, wo man Vorteile nur hat, die einem wirklich gehören. Deshalb kann ich eine Entscheidung heute nicht sagen. Auf mein Recht werde ich im Falle dieses groben und gemeinen Betragens[?] dagegen unbedingt nicht verzichten. Das hat mich wirklich zu schwer gereizt. Ich sage Ihnen also folgendes: Ich werde unbedingt fordern, was mein Recht ist, aber nicht, was auch nur im kleinsten den höchsten moralischen Anforderungen nicht entspricht. Wenn Sie also glauben, daß ich das nicht zu fordern habe, so können Sie Tischers Bedingungen ja annehmen. Nicht verschweigen will ich Ihnen, daß ich auf dem Standpunkt weiter stehe, daß zwischen mir und Tischer (ebenso wie "Dreililien") kein Vertrag mehr besteht. Ich werde den ganzen Rechtsfall demnächst veröffentlichen und dabei mitteilen, daß die betreffenden Werke bei mir einstweilen in schönen Abschriften (mit Namenszug) zu haben sind. Sie werden sich also eventuell auch mit mir auseinander zu setzen haben (was dann allerdings weniger schwierig sein wird). Jedenfalls kann ich aber vorläufig auf kein Recht verzichten, daß sich durch meinen guten Schachzug für mich ergiebt; während Sie sich darauf verlassen können, daß ich nur Ordnung und Gerechtigkeit will, daß wir uns also einig werden, sofern Sie mir dieses zugestehen. --Frau Hartleben: Wenn Sie sich in Not befindet, so würde ich ihr gerne von den Pierrot-Erträgnissen doch etwas zuwenden. Wären Sie eventuell auch dazu bereit? Ich komme bald zu Ihnen, um wegen Becker[!] zu sprechen.
Lieber wäre mir, wenn Sie nach Mödling kämen! Geht das nicht?!!
Herzl Grüße Schönberg
NB
Bitte freundlichst mir durch
Herrn Greißle folgende Noten zu
schicken
Sevcik: Schulen
Triller Vorstudien
Doppelgriffvorstudien
Violintechnik Heft I
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