| 7.IX.1922
P. T. Edition Peters
Sehr geehrter Herr Hinrichsen,
ich hatte mein Handexemplar nicht mit aufs Land genommen, und die Hersendung aus Mödling verzögerte sich aus unaufgeklärten Gründen bis heute. Verzeihen Sie darum die Verspätung.
Zur Sache selbst:
Die Korrekturen sind eine Lebensfrage für dieses Werk. Sie sind wirkliche und notwendige Verbesserungen, die sich aus Erfahrung ergeben haben.
Da Sie bisher soviel freundliche Interesse und Sympathie meinem Werk entgegengebracht haben, so bitte ich Sie sehr, diese Korrekturen durchführen zu lassen. Ich bin sogar sehr bestürzt, daß das bis heute noch nicht geschehen ist. Ich mache dazu folgenden Vorschlag:
(Wenn Sie sich nicht entschließen das ganze Material durchaus ändern zu lassen, so ist es[?] sind:)
I. Auf den Platten der Partitur diese Änderungen vorzunehmen.
II. Es ist ein Verzeichnis der Verbesserungen anzufertigen und mir mit der Vorlags-Partitur zur Korrektur einzusenden (eventuell kann ich das Verzeichnis selbst anfertigen)
III. Dieses Verzeichnis ist durch Druck (autografiert) zu vervielfältigen.
IV. Jedem Material, das verkauft wird, wird dieses Verzeichnis von nun ab beigelegt.
(Es muß das Ersuchen des Komponisten an die Orchesterleute enthalten, diese Verbesserungen in die Stimmen einzutragen).
V. Auf Wunsch wird dieses Verzeichnis auch den früheren Käufern des Materials geliefert.
VI. Sehr lieb wäre es mir, wenn von seiten des Verlages das Verzeichnis an frühere Käufer unaufgefordert gesendet würde, da ich ja an der Qualität jeder einzelnen Aufführung interessiert bin und mich schon jetzt in meinem zukünftigen Grab umdrehe, wenn ich daran denke, daß alles schlecht aufgeführt wird, was ich geschrieben habe.
Ich hoffe, daß meine Verbesserungen rechtzeitig eintreffen und bitte Sie sehr um Wahrung meines künstlerisches Interesses!!!!
Ich bitte Sie um frdl. Nachricht.
Das Reger-Violinkonzert hat Herr Kolisch außer in Wien, auch in Frankfurt aufgef gespielt. Ich finde aber, daß die Bearbeitung--wenn sie auch in praktischer Hinsicht genügt, da die Geige viel freier spielt und die Thematik klarer wird--in stilistischer Hinsicht noch zu unfertig ist, um veröffentlicht zu werden. Wenn Sie aber an der Herausgabe interessiert wären, so könnte ich vielleicht Dr. Anton von Webern dafür gewinnen.
Ich bin mit vielen herzlichen Grüßen Ihr ergebener
Arnold Schönberg
|