| 5.VII.1918
Lieber Herr Direktor,
Nedbals Absicht, Pelleas aufzuführen, kommt mir in jeder Hinsicht ungelegen. Vor allem wird er das sicher schlecht machen. Dann hatte ich die Absicht, das im nächsten Jahr selbst zu machen als Konzert und 6 öffentl. Proben je Stunde. Ich will Ihnen keine Schwierigkeiten machen, aber ich glaube es liegt sowohl in meinem, als auch in Ihrem Interesse, wenn [ilg.] meine Werke nur gut aufgeführt werden. Ich glaube, daher, Sie sollten trachten, diese Aufführung zu verhindern. Am besten, werden Sie verlangen daß
1. ich das Werk dirigier
2. daß 6 volle Proben dazu gemacht[?] werd[en]
(Vollproben, d. h. ja 1 mal Bläser, Streicher und Blech allein zählen bloß als eine Vollprobe!!)
3. daß als Penale dafür, daß D. T. K. Orch sich erst nach 12 Jahren zur Aufführung eines Werkes von mir entschließt, für den Witwen und Waisenfonds des I. R. H- 4 fach und Deutschmuster (mein Regiment) 1000 Kronen gezahlt werden.
Dagegen kann man gestatten, daß die Proben öffentlich gegen [ilg.] sind, so daß sie diese 1000Kr. [...] ja sogar [ilg.] (Mir liegt nämlich an beiden; an den öffentlichen Proben und an dem Finale zu wohltätigem Grund.
Ebenso würde ich darauf verzichten, selbst zu dirigieren (Punkt 1), wenn Nedbal Punkt 2 und 3 annimmt.
Ich hoffe, lieber Herr Dir., Sie verstehen mich. Ich glaube wirklich, daß diese Aufführung uns mehr schadet, als nützt. Insbesondere, wo ja die Gesinnung der Stadt gegen mich, wie sie ja anläßlich der Kammersymphonie gesehen habe, so gemein ist.
Das Wichtigst ist: 6 Proben. Zemlinsky, mit dem Nedbal sich doch wohl nicht vergleichen kann, hat 6 Proben gemacht, da müßte Nedbal 8 machen.
Sobald ich nach Wien komme, suche ich Sie auf, um Näheres zu besprechen. Ich danke Ihnen sehr für das Verlangen, daß Nedbal nicht Pelleas macht.--Dieser unfähige Vetter[?] hätte auch etwas anderes, als das Sextett machen können, das in München schon mehrmals gespielt wurde!
Herzlichste Grüße
Ihr Arnold Schönberg
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