Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1918.01.29 Filing Element: 1918.01.29
ID: 498
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B004983
To
Name: Kirchberger, Hans Fritz
Title: Doktor
First Line: mein Schweigen in der Dreililien-Verlagsangelegenh
Language: G, German
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Version: Final version
Text:

29.I.1918

II. Rechte Bahngasse 1a II/II 26

Sehr geehrter Herr Doktor,
mein Schweigen in der Dreililien-Verlagsangelegenheit sollte nicht bedeuten, daß ich diese aufgebe, sondern, daß ich ratlos bin. Nach allem, was ich bis jetzt sehe, ist der Mann ein offener Betrüger und das allein der Grund, warum er sich weigert, genau Rechung zu legen.
Er hat mir doch zuerst eine Abrechnung geschickt von einem "vorr[ilg.]digten Bücherverweises[?]" gezahlt mit einigen Gründen[?] 1. Werk Saldo. Nun kommt wieder eine ebenfalls ver[ilg.]digs gezeigt[?] mit. 1049 Mark Saldo! Worin besteht diese Ver[ilg.]gung dann. Und wie kann er dann aufführen
...:"Berichtigte(!!!) Absatzgutschriften
Worin besteht diese Bücherrevision??
Aber immerhin, seit ich die Herstellungskosten kenne, kann ich wenigstens entnehmen, daß hier ein Betrug vorliegen muß. Man läßt eine 2te Auflage doch erst auflegen, wenn die erste vergriffen ist! Wenn ich also bei allen diesen Kosten stets annehme, daß bloß von der letzten Auflage noch kein Stück verkauft ist, dann stellt sich die Sache doch so, daß, wie aus beiliegendem Blatt hervorgeht, allein schon ein Unterschleif[?] von 4605.80 sich ergebe, von welchem (durchschnittlich 1/3) 1800 Mark abzuschreiben wäre:
I.
Aber es ist gar nicht anzunehmen, daß er nicht mehr als eine Auflage verkauft hat.
und II. bin ich auch fast überzeugt, daß er mehr Auflagen gedruckt hat, als er angibt.
Als Beweis dafür führe ich an, daß von meinen weiteren[?] Werken (in der Universal-Edition) für längere Vertragszeiträume die folgenden Zahlen in Betracht kommen:
op 11-3 Klavierstücke ca 2000 Exemplare
Ladenpreis 2.50
op 19-6 " ca1500 "
Ladenpreis 1.50
Harmonielehre (Ladenpreis 8 Mark)
(also ein teureres Buch) 1800 "
II. Streichquartettca 400 "
Ladenpreis 5.--
Warum sollten mir meine älteren, besser[?] verständlichen und zum Teil billigeren Werke, die auch in dem Katalog der Universal Edition aufgenommen sind (also, wenn die Propaganda des Verlags wirklich [von] entscheidenden Einfluß sein sollte, dieselbe Propaganda schon[?]) einen so wesentlich geringeren Absatz haben, obwohl sie größtenteils doppelt so lange Zeit bereits erschienen sind.
Nach alledem möchte ich Sie bitten, gegen Herrn Marschalk die Klage auf Rechnungslegung einzubringen und zu erwirken, daß die Stecher[ilg.] und Drucker[ilg.] unter Eid aussagen: wie hoch sich die Zahl der gelieferten Exemplare beläuft.
In dem Rechnungsauszug [ilg.] bestreite ich noch folgende Punkte
I. Die Posten
1905 09/950,-
Was ist das: davon ist mir nichts bekannt.
II. Die Post, Kosten der Autografie etc.... 235.93"
damit verhält es sich so: Herr Marschalk hatte das Werk zuerst erworben und hieher den Vorschuß "1904 29/6 500,- Mark" bezahlt. 1905 gab er die ersten 40 Seiten dieses Werk[s] zum Autografieren, setzte aber die Autografie nicht fort, da er sich nicht entschließen konnte, das Werk herauszugeben. Als ich ihn nach Ablauf der gesetzlichen Frist (3[?] Jahre) aufforderte, das Werk entweder zu drucken, oder herzugeben, gab er mich[?] [ilg.] und verzichtete auf das Werk, ohne (wozu er auch nicht berechtigt gewesen wäre) eine Bedingung zu stellen. Somit kann die Autografie dieses Werkes, die nicht für mein Interesse gemacht (da sie nicht [ilg.] gespielt wurde) und nicht in meinem Interesse unter[ilg.] wurde (was mich sehr geschädigt hat!) nicht auf meine Rechnung gehen.
III. "Die Post 1910 10/10 unsere[?] Lieferung 68,20" Was ist das? Mir unbekannt.
IV. Bei op 3 und op 6 wurde mir ein Vorschuß nicht gezahlt. Ich habe also bei diesen Werken Anspruch auf Gutschrift mir[?] Deckung der Herstellungskosten.
V. Kommt mir diese ganze Verrechnung[?] nach Deckung der Herstellungskosten, die mit dem Zwist unseres Vertrages nicht vorüber war, sodaß[?] auf diese Art ich allein die ganzen Kosten der Herstellung bezahle und der Verleger gar keine Kosten hatt[!]
VI. Dürften aber selbst, wenn diese Verrechnung [ilg.], daß höchstens die Kosten der ersten Auflage aufgerechnet werden! Nicht die auf der II. III. etc.!! Das ist ja eine beträchtliche Schmälerung meines Einkommens. Denn dieses Stück war[?] bei Abschluß des Vertrages von mir dahin verstanden worden, daß ich nicht früher ( also der Zeitpunkt, erstens wäre[?]) neuerdings Geld bekommen sollte. Nicht aber, daß ich für 60 Mark Vorschuß die Herstellungskosten zu beza[h]len hatte. Auf[ilg.] [ilg.] ist sowas [ilg.] auch nicht aufträglich gekommen!
VII. Ich bestreite nach wie vor die Berechtigung des Herrn Marchalk sich von den 50%, die mir bei Werken mit selbem Reingewinn zustehen, einen Abzug zu machen. Nach Aussage meines Verlegers, Direktor Her[t]zka ist das unzulässig, und ich verweise auch auf meinen Vertrag über meine [ilg.] in welchem mir meine Herstellungskosten ver[ilg.] werden, aber keine Propaganda und Vertriebsspesen, welche er I. nicht hat, und II. soweit er sie hat, eben als seine Geschäftspesen ansehen muß, für welche er eben 50% vom Reintertrag bekommt!
Die Antwort des Herrn Marschalk, daß ich bei [ilg.]herung der Region schlechter wegkäme, ist ein ebenso dummer, unerhörter Witz, welcher den betrügerischen Charakter dieses Menschen deutlich beleuchtet; denn er ver[ilg.] ja eben hier wieder diese selben Kosten an, die er nicht berechtigt ist, mir anzurechnen.
Ich möchte Sie, sehr geehrter Herr Doktor bitten, mir ganz nach Ihrem Ermessen einen Ihnen geeignet scheinenden [ilg.]ischen Schritt selbst zu tun. Ich glaube der Schurke will nur Zeit gewinnen, um mich dadurch abzuschrecken. Haben Sie nicht den Eindruck, daß dieses Vorgehen ein betrügerisches ist? Wegen[?] dieser unglaublich erscheinenden Abrechnungen, die dumme [ilg...ilg.] sind, in denen er immer nur stehlen, meine Beziehungen, meine Berechtigungen auf[ilg.] nicht einen sehr üblen Eindruck? Wäre nicht eine Klage auf Betrug und Aufhebung des Vertrages das einzig Richtige?
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihr bisheriges Interesse und bitte Sie, es mir in dieser schweren Angelegenheit wieder zu widmen.
Ich empfehle mich Ihnen mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener Arnold Schönberg
Bitte [ilg...ilg.] auch Ihre Frau Gemahlin[?] und Herrn und Frau X Zehme.


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