Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

fu urnFor(letters,487):SELECT * FROM urns WHERE datei='letters' AND id_datei=487 AND parameter=''
Date from letter: 1917.07.24 Filing Element: 1917.07.24
ID: 487
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B004870
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
First Line: Ihre Entschuldigung kann mich natürlich nicht befr
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Language: G, German
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Version: Final version
Text: 24. Juli 1917

Sehr geehrter Herr Direktor,
Ihre Entschuldigung kann mich natürlich nicht befriedigen. Vor allem weil Ihr durch Ihre Nervosität hervorgerufenes Vorgehen gegen mich, sobald Sie wieder wegen eines Papier[ilg...ilg.] sind, [ilg.] austragen kann, und Sie werden einsehen, daß es für mich nicht [ilg.] ist, der Sündenbock Ihrer Launen zu sein. Dann aber, weil Sie fast acht Wochen verstreichen ließen, ohne [daß] Sie Ihr Unrecht gut machten, statt mir sofort am nächsten Tag zu schreiben!!. Ja sogar als Stein Sie daran erinnerte, wie Sie mich durch Ihr L[ilg.] beleidigt hatten, auch dann ließen Sie noch 4 Wochen verstreichen. Schließlich aber sage ich mit alledem, daß Sie sich wahrscheinlich gar nicht entschuldigt hätten, wenn nicht der Umstand, daß wir [uns] miteinander vertragen[?] müssen, Ihnen eine recht umständliche Entschuldigung abgenötigt hätte. Da ich nun--ganz abgesehen von meinen[?] Leistungen--als einfacher Bürger, wie jeder verlangen muß, daß er mich mit vollendeter Höflichkeit behandelt, mit Rücksicht auf die Besonderheit meiner Leistungen sogar eine besonders auszeichnende Höflichkeit beanspruchen darf, da soweit es im Allgemeinen den Künstlern die Nervosität zugebilligt wird, während man von Verlegern [ilg.] und Maß mit Recht erwartet, so werden Sie einsehen, daß ich nicht damit zufrieden bin, wie Sie schreiben "Sollten Sie sich dennoch unbegreiflicherweise!!") durch irgendetwas verletzt fühlen--." Denn daß ich verletzt bin wird soll[?] daß das nicht "unbegreiflich["] ist, wußten Sie doch wohl sofort, als Sie ohne jeden Grund das taktlose Gespräch mit einseitiger Eigenwilligkeit abbrachen. Sie würden wohl ebenso empfinden, wie ich, denn empfindend oder nicht.--Soll ich es einmal probieren?) und würden verlangen, daß eine Unterredung nicht von dem einen eigenwillig abgebrochen, sondern in gegenseitiger Uebereinstimmmung geschlossen wird. Wer das anders empfindet, mit dem kann ich allerdings nicht weiter diskutieren; dem allein darf es der auch auch
unbegreiflich sein, wenn der Andere sich beleidigt. Soweit ich weiß, sind Sie hingegen sehr empfindlich. Ich frage nun:
[ilg.]hen Sie eine andere Höflichkeit, als Sie sie mir beweisen[?] wollen?
Das könnte ich Ihnen nicht geben; denn es gibt nur eine einzige Art von Höflichkeit. Die aber, die Gespräche betrif[f]t, mag ich nur anwenden, wo ich jeden Ver[ilg.] abbreche. Empfinden Sie das anders?
Aber ich will mich aus folgenden Gründen mit Ihrer Entschuldigung zufrieden geben:
I. Weil ich aber das Werk wohl fertig machen will (denn ich nicht, ich[?] der Winter kommt[?], noch ein zweites Schreiben) und das nicht weiterschreiben kann, ohne noch über das Verlags[ilg.]nisse nicht im Klaren bin.
II. Weil ich nicht aus [ilg.]sucht unsere Verlagsbeziehungen stören will.
III. Weil ich mit Bestimmtheit darauf rechne, daß Sie mir beim zukünftigen[?] Zusammentreffen mit der [ilg.]gen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit durch eine gänzliche[?] Entschuldigung die Garantie geben werden, daß ich nicht mehr befürchten muß, wegen Pa[t]zer[?] oder sonst was anderem der Sündenbock zu sein!
Da ich zur Fertigstellung des Buches [ilg.] 2-3 Wochen brauche, drängt meine Zeit sehr. Ich bitte deshalb um umgehende Antwort. Wollen Sie mir vielleicht auch gleich diejenigen Nachmittagsproben nennen, die Ihnen passen. Diesen[!] Unterredung wird nicht kurz sein können, denn es sind einige Sachen zu besprechen. Außerdem: ich arbeite sehr angestrengt an der Komposition der "Jakobsleiter", muß also auch etwas Spielraum haben. Wenn Sie auf noble Weise mich verstehen wollten, würden Sie das berücksichtigen und würden auf einen Nachmittag zu mir kommen (ich habe aus Ärger und mit diesem langen Brief genug Zeit verbracht, die mir jetzt unersetzlicher ist als je) und alles in Ordnung bringen. Ich fände es gerecht, aber ich fordere es nicht, denn es ist Ihre Sache, ob Sie gute Beziehungen wiederherstellen wollen und einen Fehler gründlich gut machen. Meine Sache mag es sein, Ihnen den Weg zu zeigen und die Bereitwilligkeit. Aber ich kann mich ja auch mit dem Verhältnis begnügen, das Sie für angemessen halten, da meine sehr in Anspruch genommene Phantasie genug Beschäftigung findet, an den Aufgaben, die sie sich selbst stellt.
Also: ich bin mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr Arnold Schönberg.

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