| Hertzka
ich muss Ihnen heute endlich mit einigen Beschwerden kommen, die ich schon lange herumtrage.
I. Im Jänner 1914 hatten wir in Berlin fix abgemacht, dass alle meine noch rückständigen ungedruckten Werke bis Ende 1915 gedruckt zu sein haben. Sie hatten sich dazu verpflichtet, wie Sie sich erinnern werden, weil das meine wichtigste Bedingung war, und wir haben uns nicht früher einigen können, ehe Sie diesen Punkt angenommen hatten.
Ich wollte Sie während des Krieges an diese Verpflichtung nicht erinnern, weil alles ja so sehr über den Krieg jammerte und ich nahm an, dass es für Sie jetzt schwierig sei, alles zu drucken.
Nun aber sehe und höre ich, dass Sie ja doch alles Mögliche ernten und sogar sehr große Unternehmungen während des Krieges voll bestreiten, so als ob nichts los wäre und da ich wirklich nicht nach dem Krieg wieder warten will und außerdem jetzt Zeit zum Korrekturlesen habe, ist meine Rücksicht wohl recht unangebracht und ich sehe mich genötigt, mein Interesse zu wahren.
Daher möchte ich Sie bitten, im Sinn unserer Vereinbarungen gleich jetzt mit der Drucklegung meiner Werke zu beginnen und sie so zu beschleunigen, dass doch einigermaßen ihr vereinbarter Zeitpunkt eingehalten wird.
II. Nun einige Beschwerden über meine Abrechnungen.
1. In der letzten Abrechnung fehlt noch immer das Amsterdamer Gurrelieder-Material
2. Ebenso fehlen Tantiemenanteile über Kammersymphonie Materiale vollständig: insbesondere über eine italienische und eine Kopenhagner Aufführung.
3. Schon vor dem Krieg hat man mir einen englischen Katalog Ihres Verlags gezeigt und mich darauf aufmerksam gemacht (was auch aus diesem Katalog ersichtlich ist) dass Sie im Ausland meine Werke zu einem verdoppelten Ladenpreis verkaufen. Da ich Anspruch auf Anteile des Ladenpreises habe, so handelt es sich hier wohl nur um ein Versehen Ihrer Buchhaltung. Aber da ja ein sehr sehr großer Teil meiner gesammelten Erträgnisse aus dem Ausland stammt, muss ich Sie bitten, das recht genau richtigstellen zu lassen und mir vielleicht am besten bei künftigen Abrechnungen das Ausland extra anzusetzen. Ich wollte schon lange davon sprechen, habe aber immer vergessen.
4. Nun eine Sache über die ich sehr böse bin und zu der ich noch nicht einmal Stellung nehmen kann, weil ich noch gar nicht weiß, in welcher Form ich von Ihnen da entschädigt werden kann:
Sie haben, ohne mich zu fragen, in Ihr letztes Album (das ich durch Zufall kennenlernte) zwei Stücke aus meinen Gurreliedern aufgenommen. Da der Preis des ganzen Albums kaum viel teurer ist (im Verhältnis) als die beiden Stücke zusammen kosten, wird es keinem Menschen mehr einfallen, die einzelnen zu kaufen und ich gehe somit eines Einkommens verlustig, von dem ich mir viel versprochen habe.
Ich muss Sie bitten, mir hier selbst Vorschläge zu machen, wie Sie mich da entschädigen wollen.
Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen mit sovielen Klagen kommen muss. Aber, da es sich um so Wichtiges und auch um viel Geld dreht, bin ich überzeugt, Sie sehen mich nicht als Querulanten an, sondern behandeln alle diese Fragen mit derselben Freundschaftlichkeit, die ja stets bei uns zum Ziele geführt hat. Ich glaube auch dass Sie anerkennen werden, dass meine Aussetzungen und Ansprüche gerecht sind und bin sicher, dass wir ohne Aufregungen in herzlichen Einvernehmen, die verschiedenen Uebersehen, Rückstände und Missgriffe ins Reine bringen werden. Mit vielen herzlichen Grüßen Ihr Arnold Schönberg
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