Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1914.04.21 Filing Element: 1914.04.21
ID: 402
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B004024
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
First Line: ich schickte Ihnen gestern die Gurrelieder Partitu
Language: G, German
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Version: Final version
Text:

21/4. 1914

Lieber Herr Direktor, ich schickte Ihnen gestern die Gurrelieder Partitur und sende heute
die Monodram Partitur beide druckfertig.
Bitte um Empfangsbestätigung.
Ich bitte Sie, lieber Herr Direktor, die Gurrelieder sowol als auch das Monodram unbedingt stechen zu lassen !!
Ueber den Verkauf meiner Noten können Sie wohl nicht klagen. Mich aber büßen zu lassen, dass andere noch nicht gehen, wäre doch ungerecht !! Schließlich habe ich für alle diese Leute, die sich mit einem schwachen Abguss meiner Errungenschaften heute einen Namen machen, durch 15 Jahre meinen Buckel hingehalten und bekomme noch immer genug Prügel. Dann darf ich wohl auch beanspruchen, ihnen einmal vorgezogen zu werden !
Aber außerdem
I. Würde für mich die Möglichkeit der Verbreitung meiner Werke eingeschränkt werden.
II. Wäre mein Erträgnis geringer,
III. Würde es unbedingt meinem Ansehen und dem der Universal Edition schaden, wenn keine gestochene große und eine schöne kleine Partitur erschienen. (Denn jeder würde sagen, die Sache geht nicht !!)
Ich hoffe bestimmt, dass Sie diesen Gründen Gehör schenken und die Sachen schleunigst drucken. Da sich ja (siehe die Kammersymphonie) meine Noten sofort verkaufen, wie sie gedruckt sind, ist ja jedes Sparen hier nicht am Platz. Im Gegenteil: je eher die Sachen in einer schönen Ausgabe da sind, desto eher beginnt Ihr Gewinn!
Für alle Fälle:
Keinesfalls (bitte ich Sie) dürfen die Gurrelieder autografiert werden, denn dann ist wieder auf Jahre hinaus keine Aussicht auf Verkauf kleiner Partituren.

Beiliegenden Brief erbitte ich retour. Ich lege Ihnen eine Copie meiner Antwort bei. Was ich von Ihnen hier erwarte, ist vor Allem, dass Sie das Zustandekommen einer „gemischten“ Gesellschaft verhindern. Denn eine solche könnte mir mehr schaden, als nützen.
Auch wüßte ich gerne Ihre Meinung, 1) ob ich eine solche Sache überhaupt heute noch nötig habe.
2) Aber, ob sie nicht gar am Ende zu früh ist; denn ich habe zu wenig geschrieben und deshalb würde eine solche Gesellschaft in 3–4 Jahren eingehen müssen.
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg


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