| Lieber Herr Direktor, in Eile, deshalb mit Bleistift.
I Zur Kammersymphonie:
Ich schicke Ihnen also die Partitur mit meinen Retouchen, die allerdings sehr zahlreich sind. Aber das Werk ist nun endlich in Ordnung und Sie werden diese einmalige Ausgabe nicht zu bereuen haben, da jetzt sicher die Verständlichkeit und damit der Erfolg garantiert sind. (Das war eine schwere Geburt!)
1) Ich möchte Sie nun bitten, auf die Partitur den Aufdruck
„verbesserte Ausgabe“ zu
machen.
Da nun 2) auch der auf Orchester-Aufführungen bezügliche Passus geändert ist (ich werde hiefür eine Partitur eigens einrichten und Sie können dann einige Materiale danach einrichten lassen) wird es sich vielleicht jetzt empfehlen die Partitur in 2 Formaten und Preislagen herzugeben.
a)Kleines Format (halbe Seite, jede Platte gebrochen) zum Preis von 5 Mark
b)Groß zum Preis von 15 Mark
und noch zwei Vorschläge:
a)Könnten Sie nicht die alten Ausgaben umtauschen, etwa gegen eine Aufzahlung von 2 Mark?
b)Ein Verzeichnis der Veränderungen zum Preis von 50 Pfg autografiert herausgeben (auf cirka 2–3 Druckseiten?)
Scheuen Sie bitte diese Ausgaben nicht. Die Kammersymphonie wird sie hereinbringen. Insbesondere, wenn Sie eine Studienpartitur hergeben. Ich garantiere, dass in einem Jahr davon wenigstens 1000 Exemplare abgesetzt sind! Selbst wenn Sie sie nicht billiger als 5 Mark geben!
Ich muss Ihnen noch sagen: solche Änderungen wie hier können bei keinem meiner neueren Werke vorkommen, wie Sie bereits in meinen Orchester Stücken sehen können, bei denen es sich nur um ein paar Kleinigkeiten handelt. Und das Monodram ist noch viel sicherer instrumentiert, als der III Teil der Gurrelieder in welchem ich, wie Sie wissen, fast nichts geändert habe. Aber außerdem werde ich die Partitur vorher noch genauer revidieren. Nur müssen Sie mir eben immer rechtzeitig sagen, wenn Sie sie haben wollen, was sowohl bei der Kam S. als auch bei den Orch. Liedern und den Gurre-Liedern nicht geschehen ist. Sie erinnern sich: Sie gaben diese 3 Werke zum Stich, ohne mich vorher zu befragen !!! Sie wollten mir eine Ueberraschung bereiten, was sehr liebenswürdig war, aber unpraktisch. (Ich hoffe aber trotzdem Ihre Liebenswürdigkeit darum nicht entbehren zu müssen!!)
II. Zum Pierrot
1)ich hoffe Montag die Korrekturen einsenden zu können.
2)Wann gehen Sie in die Herstellung der Stimmen
3. Auf die Pierrot Partitur soll folgende Widmung gesetzt werden:
Der ersten Interpretin
Frau Albertine Zehme
In herzlicher Freundschaft
(in 3 Zeilen in dieser Anordnung! ohne Schlusspunkte oder Beistriche etc !!!
4)Wann kann die Partitur da sein?
III Sie haben noch immer nicht den Brief beantwortet, in welchem ich wegen der Erträgnisse der Harmonielehre und wegen der neuen Verträge urgierte (vom 24/II.) Das müssen wird doch ordnen. Bitte schreiben Sie mir doch darüber! Oder wann kommen Sie nach Berlin ???
IV. Amsterdam:
eine ausgezeichnete Aufführung und gute, wenn auch nicht so enthusiastische Aufnahme wie in London.
Mit dem Comite habe ich wegen der Gurrelieder-Aufführung verhandelt.
Die wollen 1000 Mark für das Material hergeben und 100 Mark extra für jede weitere Aufführung (so sagte Mengelberg). Es ist aber nicht unmöglich, dass sie noch erwas mehr geben. Doch bitte ich Sie sehr, recht vorsichtig zu verhandeln. Ich glaube, wir haben an dieser Aufführung sehr großes Interesse und es stünde dafür entgegenzukommen, weil dort solche Werke am Repertoire bleiben, was sehr dem Verkauf der andren Ausgaben und dem Erfolg des ganzen Werkes nutzen wird. Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden !!
V. London (Wood) ist sehr erfreulich !! Das wäre ja prachtvoll.
Machen Sie dann eine englische Uebersetzung. Hiefür wäre
Herr Newman vorzuschlagen, dessen Adresse ich eventuell erfahren kann. Der soll ausgezeichnet sein.
V. Sobald die Wiener Aufführung der Gurre L. vorbei ist, bitte ich Sie mich daran zu erinnern, dass ich die Retouchen für die Neuherstellung des Materials mache. Ich werde alles so einrichten, dass es die Aufführungsmöglichkeit erleichtert !
Bitte, stechen Sie die Partitur und machen Sie eine kleine, billige neue Studienausgabe. Es wird sich sicher rentieren !! Vor allem durch den Verkauf der kleinen Partituren !!!
Nun Schluss. Viele herzliche Grüße!
Bitte beantworten Sie meine Frage. Ihr Arnold Schönberg
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