| Version | Format | fol | Source | Location in source |
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| Final version | microfilm (8fr.) | 8fr. | ASC | SatCollL10, rl.6, fr.359-361,363-366,368 | | Final version | microfilm (8fr.) | 8fr. | ASC | SatCollL10, rl.3, fr.359-361,363-366,368 | | Final version | microfilm (7fr.) | 7fr. | ASC | SatCollW3, rl.1, fr.172-178 | | Final version | microfilm (3fr.) | 3fr. | ASC | SatCollL10, rl.20, fr.318-320 (p.4-6) | | Final version | microfilm (3fr.) | 3fr. | ASC | SatCollL10, rl.20, fr.313-315 (p. 1-3) | | Final version | carbon copy | | LC | | | Final version | handwritten letter (7p.) | 7p. | ASC | UE Archiv, #90 | | Final version | copyflow photocopy (7p.) | 7p. | ASC | L8III (of carbon) | | Final version | copyflow photocopy (7p.) | 7p. | ASC | SatCollW3 folder 4 | | Final version | typed transcript (3p.) | 3p. | ASC | L8III | | Final version | scan (6f.) | 6f. | ASC | LC035 | | Final version | printed (1p.) | 1p. | GA Reihe B/Band 16,3 | p. 100 (partial) | | Final version | transcription (partial) | 1p. | GA Reihe B/Band 11,4 | p. 94 (partial) |
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| Text: | 1./II.1912
Lieber Herr Direktor,
ich freue mich außerordentlich, aus Ihrem Brief zu entnehmen, daß Sie mich doch nicht ganz aufgeben wollen, was mir umsolieber ist, als es mir ein ausgesprochenes Bedürfnis ist, alle meine Werke bei der Universal Edition zu haben.
Deshalb habe ich mich auch entschlossen, Ihnen in noch einigen Dingen entgegen zu kommen, um Ihnen den Abschluß unserer Beziehungen zu erleichtern. Und zwar:
l.) Ich begnüge mich, wenn Sie bereit sind meine später folgenden Forderungen zu erfüllen mit einer Baarza[h]lung von 500 Mark
2.) und erkläre mich außerdem bereit, die Partitur der Kammer Symphonie selbst eigenhändig auf Straube-Matritzen zu schreiben!!!
3. Bin ich damit einverstanden, daß die in Rede stehenden Werke bis 1914 herausgegeben werden müssen. Und zwar innerhalb folgender Termine:
die Gurrelieder ü
" Georgelieder ü bis 1. September 1912
die Kammersinfonie ü (deshalb schreibe ich die Kam.Sinf. selbst, was Ihnen Zeit und Geld erspart!)
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der Chor bis Frühjahr 1913
die Lieder und Balladen bis Frühjahr 1914
Dadurch sind Sie in der Lage etwaige neue Werke von mir bequem zwischen 1913 und 1914 einzuschieben, wenn das wichtig sein sollte.
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Dagegen muß ich, da mich Ihr Brief auf verschiedene Mängel unseres Vertrages aufmerksam machte, auf einige Bedingungen bestehen, die ich im folgenden auseinandersetze. (Ich las Ihren Brief erst gestern durch und begriff erst jetzt, wie weitgehend ich gegen meinen Willen an Sie gebunden wäre, und wie verhängnisvoll das für mich werden könnte, wenn Sie diese betreffenden "Zusätze" anwenden wollten.)
Nämlich: durch die verschiedenen Zusätze, die Sie zu unserem Vertrag jedesmal gemacht haben, sooft Sie ein neues Werk erwerben, respektive mir einen Honorar-Vorschuß geben, ist unser erster Vertrag eigentlich vollständig unwirksam worden. Nun ist ja dieser Vertrag an sich für mich schon in der Hinsicht nicht sehr günstig, als ich, selbst wenn ich ganz denselben Erfolg hätte wie Rich. Strauss es bei meinen Lebzeiten nicht zu dem 10. Teil seiner Honorare bringen könnte. Selbst nicht wenn ich einen größeren Erfolg hätte!!! Nun ich aber durch Ihren Brief die verschiedenen Zusätze voll verstanden habe, sehe ich, daß ich ja eigentlich aller meiner Ansprüche auf [ilg.] auf mein zukünftiges Schaffen verlustig gienge. Und Sie werden nun einsehen, daß es mir nicht möglich sein könnte unter solchen Umständen einen noch 8 Jahre laufenden Vertrag einzuhalten. Ich weiß, daß Sie das damals nicht taten um mich zu schädigen; Im Gegenteil: ich bin fest überzeugt, daß Sie mein Bestes wollen und daß Sie diese Veränderungen nur vornhamen, um momentan eine Möglichkeit zu schaffen, mir eine Summe auszusahlen, ohne etwas zu drucken. Da Sie sich aber jetzt entschließen wollen, die betreffenden Werke zu drucken, da also somit diese Werke vollgültiges Unterpfand werden für Ihre Barzahlungen, ist es nun wohl für Sie ein Leichtes, diese wohl nur provisorischen Abmachungen jetzt zu annullieren und damit den ersten Vertrag wieder in seine Rechte treten zu lassen.
Meine Bedingung lautet demnach:
I. die mir von Ihnen seit Beginn unseres Vertrages für meine Kompositionen ausgezahlten Beträge, werden beiläufig nach dem Schlüssel den der erste Vertrag dafür angiebt (10% vom Ladenpreis der ersten 300 Exemplare) aufgeteilt.
II. die für theoretische Werke geza[h]lten Summen stehen auf einem eigenen Konto und werden nicht mit den Kompositionen verquickt.
III. da sich durch diese Aufteilung eine zu große Summe ergiebt, die Sie mir jedenfalls nicht auszahlen wollen, komme ich Ihnen in der Weise entgegen, daß ich mich mit einer Barzahlung von 500 Mark begnüge und auf den Rest verzichte.
IV. dagegen gelten alle den ersten Vertrag einschränkenden nachträglichen Zusätze als aufgehoben, mit Ausnahme jener beiden Punkte unserer Abmachungen vom 22/11.1910 in welchen zwei Punkte unserer Hauptvertrages interpretiert werden. Nämlich: den unter Absatz 5) genannten dieses Briefes vom 22/11.1910, soweit sie[?] nicht dieser vorliegenden Bedingung widersprechen.
V. dagegen treten nun wieder die [ilg.] bleibenden Bestimmungen unseres Hauptvertrages in Kraft: insbesondere die, daß ich für jedes neue von Ihnen erworbene Werk den vertragsmäßigen Honorar-Vorschuss ausgezahlt erhalte.
VI. dafür, daß ich die Kammersymphonie selbst schreibe, werden[?] mir von Ihnen für dieses Werk statt 10%, jedesmal 15% vom Ladenpreis gutgeschrieben. (Den Vorschuß berechnen wir noch nach 10%).
Lieber Herr Direktor, ich fürchte (Sie sind ja da Sie ein selbständiger und ideenreicher Mensch sind) ein wenig behaftet mit jener Erregbarkeit, welche selbständige Menschen auszeichnet. Deshalb fürchte ich, daß Sie im ersten Moment, wenn Sie diesen Brief lesen, in Zorn geraten werden und vielleicht in diesem ersten Zorn etwas täten, was weder meinem noch Ihrem Interesse dient. Ich weiß das, denn ich bin (leider!) selbst so!! Wäre ich bei Ihnen, so bin ich überzeugt, es gelänge mir, Sie zu beschwichtigen. Und Sie sehen ja: ich verwende alle meine Farbenkünste um Sie mir freundlich gesinnt zu erhalten. Und ich bitte Sie dringend, lesen Sie diesen Brief noch einmal. Denken Sie mit Freundschaft an mich! Versuchen Sie einmal sich auf meinen Standpunkt zu stellen. Und vor Allem: Ueberlegen Sie, wie wenig ich eigentlich verlange!!!!
Denn was besagen[?] diese Forderungen eigentlich. Nichts anderes, als daß ich jenen ersten Vertrag wieder hergestellt haben will, den Sie seinerzeit aus eigenem freien Willen mit mir geschlossen haben (und der ja materiell nicht einmal sehr günstig für mich ist!!)
Und dafür bin ich bereit die Kammersymphonie selbst zu schreiben! ein Opfer von 1000 Mark zu bringen. Ich, ein armer Musikant, der Geld sehr dringend braucht. (Denn ich kann Ihnen sagen, es ist mir ein Leichtes innerhalb 8 Tagen für diese 5 Werke 1500 Mark zu bekommen!!) Aber ich bringe dieses Opfer, erstens weil ich mit Ihnen in freundschaftlichen Beziehungen bleiben will, zweitens weil es unmöglich ist mit einem Verlag zu arbeiten, wenn man mit ihm nicht auf gutem Fuß steht, und drittens (und dafür müßte ich das Äußerste riskieren) weil ich nicht in der Lage bin auf die Einkünfte aus meinen Kompositionen solange zu verzichten, bis die Vorschüsse, die ich von Ihnen habe (und die mir eigentlich vertraglich zustehen) durch den Verkauf von Noten gedeckt sind, obwo[h]l unser erster Vertrag das Gegenteil davon ausspricht.
Und das ist doch wirklich wenig: nur den ersten Vertrag will ich wieder haben! Den Sie ja selbst mir angeboten haben.
Und die nachträglichen Zusätze, die ja nur einem momentanen Bedürfnis entsprangen, und die ja jetzt wo ich allenthalben Aufführungen und auch Erfolge habe, überflüssig sind und durch den Druck der Werke entfallen können.
Ich bitte Sie vielmals: stellen Sie sich auf meinen Standpunkt!! Vergegenwärtigen Sie sich meine Situation!!! Alle Komponisten meines Ranges erhalten von Ihren Verlegern hohe Summen. Das 10fache (und mehr!!) von dem was ich bekommen soll. Und ich verlange nur: daß ich dieses 1/100 bis 1/10 wenigstens bekomme! (Obwohl ich es andererseits mehrfach haben könnte! Ist das wirklich unbescheiden.
Lieber Herr Direktor, Sie wissen daß ich Sie sehr gerne habe und ich habe vor Allem an Ihnen nebst Ihrer hervorragenden kaufmännischen Intelligenz und Ihrem Interesse für moderne Musik, vor Allem und über Alles, daß Sie ein guter Mensch sind. Ich darf Sie deshalb wohl bitten: Stellen Sie sich auf meinen Standpunkt, auf den des konomisch-Schwächeren!! Und entscheiden Sie nicht nach dem Buchstaben Ihres Vertrages, sondern nach jenem richtigen Gefühl, mit dem Sie mir ja sooft beizuspringen bereit waren, wenn ich in Not war.
Und ich bitte Sie: ändern Sie nichts an den klaren Bedingungen, die ich gestellt habe. Denn, so leid es mir täte, ich könnte nicht anderes annehmen. Verlieren wir nicht dadurch Zeit!! Denn ich fürchte sehr ich könnte nicht lange mehr warten! Und ich bitte lassen Sie mich nicht auf Antwort warten, sondern schreiben Sie mir umgehend, so daß ich Ihre Antwort spätestens am Montag 5. Februar) habe. Denn ich muß Klarheit haben. Und unser gegenwärtiges Verhältnis ist zu unklar, zu verworren, als daß sich dabei nicht forwährend Reibereien herausstellen! Und ich wünsche Ruhe, Klarheit und Freundlichkeit!
Und Sie doch auch! Nicht wahr?
Ich grüße Sie einstweilen in aller Herzlichkeit und hoffe bestimmt auf eine freundschaftliche Antwort.
Ihr Arnold Schönberg.
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