| Date from letter: | [1913?.09?.??] Filing Element: 1913.09.00 ID: 28 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| URN: | https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B000284 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| First Line: | Sie fragen nach den künstlerischen Bedingungen für | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Language: | G, German | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Transcribed | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Version: | Final version translation, English | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Text: | You ask what are the artistic terms on which my 'Glückliche Hand' might be reproduced cinematographically.
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| Version: | Final version | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Text: | Brief ohne Datum (vermutlich zwischen 26. September und 13. Okober 1913 verfaßt) Lieber Herr Direktor, Sie fragen nach den künstlerischen Bedingungen für die kinematografische Wiedergabe meiner "glücklichen Hand". Ich kann Ihnen zunächst wenig Details sagen, die werden sich erst aus der Materialbearbeitung ergeben. Aber Allgemeines, u.zw. I. An der Musik wird nichts geändert! II. Wenn ich an der Dichtung Verbesserungen für notwendig finde, werde ich allein sie machen und kein Mensch darf das Recht haben, sie von mir zu verlangen. III. Soviel Proben, als ich für nötig finde! Das läßt sich nicht vorherbestimmen, sondern es muß solange probiert werden, bis es so geht wie der "Pierrot lunaire" IV. Aufführungen dürfen nur in einer von mir zugelassenen Besetzung erfolgen, womöglich nur in der Originalbesetzung. Aber ich bin bereit eventuell mehrere Besetzungen selbst zu studieren, respektive sie von meinen Freunden unter meiner Leitung studieren zu lassen. V. Die Aufführungen dürfen nur mit einem von mir oder meinen Vertrauensmännern studierten und geleiteten Orchester (in vollständiger Besetzung) oder (wenn diese mechanischen Orgeln das halten, was ich von ihnen erhoffe) mit Orgel (z. B. Aeolian Orgel) stattfinden. Und zwar soll in den großen Städten immer Orchester sein. Wann und unter welchen Bedingungen Orgel sein soll, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Denn das hängt doch zu sehr davon ab, wie diese Orgel ist. Wenn sie mich befriedigt, werde ich keine Schwierigkeiten machen. Im Gegenteil: ich verspreche mir von diesen Instrumenten mit ihren herrlichen Bässen und den unzähligen genau fixierten Klangfarben das Großartigste. VI. Ueber die Dekoration Ausstattung habe ich mir folgendes gedacht: Die schon der Dichtung zugrundeliegende Unwirklichkeit der Vorgänge, dürfte bei der Verfilmung (pfui Teufel) noch besser herauszubekommen sein. Das ist für mich einer jener Umstände, die mich am meisten dazu bestimmen. Wenn z. Bsp. am Film der Becher plötzlich nicht da ist, so als ob er nie dagewesen wäre, so als ob man ihn bloß vergessen hätte, so ist das noch ganz anders, als auf der Bühne, wo man ihn irgendwie künstlich wegschaffen muß. Und so giebt es 1000 Dinge, die hier einfach zu lösen sind, während die Bühne bloß notdürftige Behelfe hat. Mein wichtigster Wunsch ist also hier das Gegenteil von dem, was das Kino sonst anstrebt. Ich will: Höchste Unwirklichkeit! Das ganze soll (nicht wie ein Traum) sondern wie Akkorde wirken. Wie Musik. Es darf nie als Symbol, oder als Sinn, als Gedanke, sondern bloß als Spiel mit der Erscheinungen von Farben und Formen wirken. Sowie Musik meinen Sinn mit sich herumschleppt, wenigstens nicht in ihrer Erscheinungsform, obwohl sie ihn ihrem Wesen nach hat, so soll das bloß fürs Auge klingen und jeder soll meinetwegen ähnliches dabei denken oder empfinden, wie bei Musik. Ich denke mir also folgendes. Ein Maler (etwa I. Kokoschka oder II Kandinsky oder III. Roller) entwirft alle Hauptformen. Danach werden die Bilder dann gestellt und das Spiel einstudiert. Wenn dann die Scenen alle genau nach dem Tempo der Musik fertig sind, wird es aufgenommen und der Film soll dann nach den Angaben meiner Dichtung von dem Mahler koloriert werden (eventuell bloß unter seiner Leitung). Nun glaube ich aber, daß für das Farbenspiel und für andere Stellen wo sehr starke Farbenwirkungen erfordert werden, das bloße Kolorieren nicht genügen [wird]. An solchen Stellen müßten außerdem von farbigen Reflektoren Licht auf die Scene geworfen werden. Eine Frage scheint mir auch noch die Anfangs und Schlußscene, die "fast vollständig dunkel" sein soll. Ob das der Kinomatograf kann weiß ich nicht, da es ja kein "dunkles Licht" giebt. Aber dafür wird es wohl Lösungen geben. Was die Musik betrifft: Die 6 Männer und die 6 Frauen müßten natürlich wirklich da sein, ebenso wie der Mann. Ich meine: die müssen wirklich singen und sprechen. Natürlich hinter der Bühne oder im Orchester, bei der Orgel oder sonst wo. Das findet sich. Das müßten natürlich hervorragend gute Kräfte sein. Aber das macht ja verhältnismäßig wenig Kosten. Ich meine z Bsp. von den 6 Männern ist einer (der I.) ein guter Solist, die übrigen gute Choristen ebenso die Frauen! Den Mann kann für die Aufnahme einer spielen, der nicht zu singen braucht. Es soll also ein hervorragender Schauspieler genommen werden. Sonst weiß ich einstweilen noch nichts Näheres. Alles übrige wird beim Probieren klar werden. Was sehr Wichtiges: Trachten Sie eine Berliner Gesellschaft zu interessieren. Schon damit ich alle Proben selbst machen kann. Herzl Grüße Schönberg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||