| Text: | 21. Jänner 1912
Sehr geehrter Herr,
das Honorar, das Sie mir für meine 5 Orchesterstücke anbieten, ist zwar wesentlich niedriger, als ich mir vorgestellt habe. Aber ich weiß den Vorteil, in der Peters-Edition zu erscheinen sehr wohl zu würdigen und es ist mir so wichtig, diese Partitur bald gedruckt zu sehen, daß mich insbesondere das letztere bestimmt Ihr Angebot anzunehmen. Nur habe ich ein Ersuchen (das aber keine Bedingung ist): ich habe bei der Universal-Edition und beim Dreililien-Verlag stets "Tantiemen"-Verträge gehabt; und, wer wie ich, an seine Zukunft fester glaubt, als an seine Gegenwart, und auch sein ganzes Schaffen, trott seiner materiell ungünstigen Verhältnisse gant auf diese Zukunft stellt, ich meine ein solcher Mensch muß auch Tantiemen Verträge, die wenigstens seinen Kindern sichern, was er nicht erreichen konnte, für richtiger finden. Deshalb wäre es mir lieb, wenn Sie mir eine Beteiligung an weiteren Erfolgen, in irgendeiner Form zusagen wollten. Etwa eine Tantieme oder ein Honorar nach Deckung Ihrer Auslagen, oder per Auflage, oder so etwas ähnliches.
Aber wie gesagt: das ist nicht eine Bedingung, sondern nur ein Ersuchen. Denn ich bin mit Ihrem Angebot auch, wenn Sie das nicht bewilligen, einverstanden und bitte Sie diesen [sic] für alle Fälle als meine Zusage anzusehen.
Was die Ueberlassung[?] des Materials gratis an die Orchester anbelangt, so ist mir vor allem daran ungemein sympathisch, daß Sie die Sache so großzügig auffassen. Immerhin[?], aber hoffe ich, daß ein so weitgehendes Entgegenkommen nicht lange Zeit nötig sein wird, da augenblicklich für meine Kompositionen andauerndes Interesse sich zeigt. So kann ich Ihnen mitteilen, daß Kussewitzky [sic] im nächsten Jahr in Petersburg und Moskau meine symphonische Dichtung "Pelleas und Melisande" und heuer mein II. Quartett in Petersburg aufführt. In Paris veranstaltet das Quartett Lejeune im April d.J. einen ganzen Abend mit meinen Kompositionen. In Prag dirigiere ich am 29. Februar d.J. ein ganzes Konzert (mit Pelleas) --------------------- in Budapest kommen an 2 Abenden meine Kammermusiken und Lieder. Meine Klavierstücke werden in London, Berlin, Wien und anderweits[?] gespielt und noch vieles andere.(F) Allen diesen Aufführungen ..... stehe ich insoferne [?] fern, als ich die betreffenden Vor...geber zum größten Theil gar nicht kenne, ........ erst durch die Aufführungsabsicht in Beziehung gekommen bin. Das Interesse gilt also ..... meinen Werken, und deshalb
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(F) In München wird mein Sextett heuer zum 2. Male aufgeführt, ebenso wird es[?] in Leipzig von .... gebracht. In Wien ein Chor.
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habe ich die bestimmte Hoffnung, daß es Ihnen doch nicht gant so schwer fallen wird, auch mit diesem Werk (wenn auch nicht gleich beim ersten Anlauf) durchzudringen.
Was Ihre Frage nach einer 2- oder 4-händigen Bearbeitung anbelangt, so kann ich die nicht ohne Weiteres beantworten. Jedenfalls wird eine 2 händige nicht möglich sein, wenn die Stücke ...... aufgeführt sind und irgend ein hervorragender Pianist (ich glaube Busoni, der sich sehr für mich interessiert, wäre dafür zu haben) so zusagen nach dem[?] Gehör eine "Impression" davon giebt, denn für 2 Hände ist das Werk zu vielstimmig. Aber statt an eine 4-händige würde ich lieber an eine Bearbeitung für 2 Klaviere denken, welche, da sie ja doch "als Partitur" erscheint, den Vorteil böte, daß Dirigenten, denen das Lesen der vielen Schlüssel und Transpositionen Mühe macht, hier alles im Violin und Baßschlüssel finden. Welcher Vorteil auch Musikfreunden, die keine Partitur lesen können, die Möglichkeit gäbe, bei Aufführungen mitlesend folgen zu können. Dagegen aber wurden 3 Stücke (I.II. u IV) von einem meiner Schüler (Kapellmeister in Danzig) für zwei Klaviere 8-händig gesetzt. Diese Bearbeitung, die ich schon ausprobiert habe, ist ausgezeichnet. Ob Sie, als Verleger sie verwerten[?] wollen, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ich hoffe Sie [sic] Ihnen vielleicht vorführen zu können. Davon[?] Näheres[?] in einigen Tagen. Jedenfalls bitte ich um Ihre Meinung.
Dirigenten, nach denen Sie fragen, die mir nahestehen, sind: 1) Alexander von Zemlinsky (mein Lehrer und Freund) in Prag am Landestheater,......; 2. Arthur[?] Bodansky, Hofkapellmeister in Mannheim (der Pelleas bringt[?]) 3.[?] der schon erwähnte Kussewitzky. 4. Oskar Fried (der Pelleas in Berlin aufführte).
Das Manuskript der Kammermusiken hoffe ich bald zurückzuhaben, während das Manuskript der Orchesterstücke, da es ja wohl[?] gleich zum Stich kommt, bei Ihnen bleiben kann.
Dagegen bitte ich Sie mich ehe Sie die Stimmen autografieren lassen, zu verständigen, da ich zu diesem Zweck wegen der Anbringung der klein zu druckenden "Stichworte" dem Schreiber genaue Anweisungen geben will.
Ich bitte das Honorar zu überweisen an die
Depositenkasse U II in Zehlendorf
der Dresdner Bank.
Zehlendorf, Wannseebahn, Hauptstraße 7
Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Arnold Schönberg
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