Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1912.01.11 Filing Element: 1912.01.11
ID: 236
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B002362
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
Company: Universal-Edition A.G.
First Line: Sie verlangen, daß ich den am 31. December 1911 a
Language: G, German
Transcribed
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Final versiontyped transcript (2p.)2p.ASCL8III
Final versionprinted (1p.)1p.Schoenberg-NonoN-1p. 99
Final versionprinted (1p.)1p.GA Reihe B/Band 18,1p. XXIV (partial)

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carbon copyhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM000287
handwritten letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM000299
Version: Final version
Text:

11/1.1912

Lieber Herr Direktor Her[t]zka,
Sie verlangen, daß ich den am 31. December 1911 abgelaufenen Termin prolongiere, das ist aber teils überflüssig, teils unmöglich. Ueberflüssig, weil ich nicht vorhabe, von Ihnen für die Neuerwerbung meiner freigewordenen Werke, bus auf eine einzige Bedingung, anderes zu verlangen, als was unser Vertrag vom 5. Oktober 1090 ohnedies bestimmt, woraus Sie ersehen können, daß ich mir aus Ihrem Uebersehen keinen Vorteil verschaffen will, obwo[h]l ich augenblicklich, wie ich Ihnen noch zeigen werde, sehr wohl in der Lage wäre, mir einen solchen zu verschaffen. Unmöglich, weil diese einzige vorerwähnte Bedingung, die ich unbedingt stellen muß, durch die Prolongierung aufgehoben wäre. Diese Bedingung aber kann ich nicht fallen lassen, denn das wäre Selbstmord und den zu begehen habe ich nicht nötig, weil ich ohnedies nicht lebe. Auch glaube ich bestimmt annehmen zu dürfen, daß Sie diesen einen Punkt unseres Vertrages, der wohl nur durch undeutliche Stilisierung hineingekommen ist, gegen mich ja ohnedies nicht in seiner vollen Schärfe werden anwenden wollen, weil das wirklich ein Unrecht wäre. Es handelt sich um jene Bestimmungen, wonach Sie das Recht hätten meine in Redestehenden Werke zu erwerben, aber nicht verpflichtet sind sie zu drucken, worauf ich erst nach 2 Jahren berechtigt sein soll, die Werke anderweitig zu verwenden, Ihnen aber entgegen dem Autornegesetz, welches von einem Verfall des geza[h]lten Honorars spricht, das Honorar soll zurückgeben müssen. Da diese Bestimmung ungesetzlich ist, bin ich überzeugt, daß Sie mit mir der Ansicht sind, daß ihre Anwendung dem vornehmen Karakter, welchen Sie Ihrem Unternehmen zu geben verstanden haben nicht entspräche, sodaß wir sie auch aus dem Vertrag entfernen sollten. Und deshalb werden Sie wohl meine einzige von diesem Vertrag abweichende Bedingung, die ich Ihnen zu stellen vorhabe, nicht ungerecht finden. Nämlich:
die rechtsverbindliche Verpflichtung, daß Sie diese Werke, falls Sie sie erwerben, in einer noch zu bestimmenden der Herstellungszeit angemessenen Frist unbedingt zu drucken haben.
Wenn Sie meine Situation mit Gefühl, mit freundschaftlichem Gefühl ansehen, werden Sie finden, daß ich wirklich ungemein nobel vorgehe. Wenn Sie bedenken, daß ich, um rechtzeitig gewisse mir nötige Summen zu erhalten, auf die Hälfte der mir vertragsmäßig zustehenden Honorarvorschüsse bis jetzt verzichtet habe, wenn Sie dem gegenüber halten, daß ich in fortwährenden Notlagen war, und Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar bin, so werden Sie einsehen, daß indem ich nur dasjenige fordere, was für die Durchsetzung meiner Kunst unerläßlich nötig ist, der Druck meiner Werke, daß ich damit nur einem Interesse diene, welches auch Sie anerkennen müssen.
Dazu kommt nun aber der Umstand, daß meine einzige Bedingung als ein geradezu lächerlicher Idealismus erscheint und nur aus dem Bestreben hervorgeht mir Ihre ungetrübte Freundschaft zu erhalten, fast ohne Rücksicht auf meine materiellen Bedürfnisse, wenn ich Ihnen nun mitteile, daß ich, bände mich nicht jene freundschaftliche Treue, wohl in der Lage wäre, mir größere Summen für meine Werke zu verschaffen, als Sie mir geben könnten. Ich habe nämlich von einer der allergrößten Verlagsfirmen Deutschlands und von einer sehr sehr jungen aber energischen kleineren Firma höchst schmeichelhafte Anträge erhalten, bei denen ich Aussicht auf hohe Honorare habe. Damit Sie erkennen, daß es sich nun nicht darum handelt, Sie dadurch zu drücken, stelle ich es Ihnen anheim, die Bedingung zu machen, daß ich Ihnen, diese schriftlichen Anträge bevor unsere Abmachungen Geltung bekommen zeigen muß, und daß Sie unsere Abmachungen rückgängig machen dürfen, wenn diese Briefe nicht existieren und schmeichelhaft sind.
Diese Briefe habe ich beantwortet, daß ich, da ich an Sie gebunden bin, augenblicklich keine Werke frei habe, aber gerne jene Werke zur Verfügung stellen werde, welche die U.E. zurückweist. Damit wären beide einverstanden und warten nun auf meinen Bescheid.
Nun bitte ich Sie nochmals: mißverstehen Sie das nicht. Ich will unbedingt bei der U.Ed. bleiben und nur im alleräußersten Notfall, nur wenn mich Ihre Ablehnung dazu zwingen sollte, werde ich das tun, was für die Durchsetzung meiner Werke allerdings unumgänglich ist!
Bedenken Sie: ich habe jetzt fast zwei Jahre nichts komponiert und trotzdem ist noch immer keine Aussicht, daß alle meine Werke gedurckt sind. Wäre dieser Zufall nicht, so hätte ich jetzt wenigstens 4-6 neue Werke. Wie wollen Sie jemals meinen Ansprüchen nach Veröffentlichung gerecht werden, wo noch von den älteren, ja von den von Ihnen bereits erworbenen soviel im Rückstand ist.
Da also diese Sache ganz klar ist, bitte ich Sie die Abmachung unseres Abschlußes nicht erst zu verschieben, bis Sie nach Berlin kommen. Sie wissen, daß Sie selbst gar nicht genau sagen können, wann Sie kommen. Ich könnte nicht solange warten, da ich nicht eventuell, falls Sie mich ablehnen, dort auch zu spät kommen will. Ich bitte Sie also, mir doch gleich schriftlich einen klaren annehmbaren Antrag zu machen. Dann sind wir in acht Tagen von dieser Sorge befreit und ich habe, wenn Sie nach Berlin kommen, das Vergnügen, Sie in meiner Wohnung zu begrüßen, ohne daß wir uns mit Geschäftlichem befassen müssen und das habe ich so [ilg.] gefunden, daß wir als Sie voriges Mal in Berlin waren über nichts Geschäftliches, sondern nur über alles Mögliche andere einfach plauderten.
Und nun bitte ich Sie nochmals: Lehnen Sie meine Bedingungen nicht ab. Ich will gerne auf die Vorteile, die mir andere Verleger bieten verzichten, obwol [sic] ich wie Sie ja wissen, nicht auf Rosen gebettet bin. Aber Sie können nicht verlangen, daß ich, da ich in finanziellen und künstlerischen Nöten bin, einer Aktien Gesellschaft ein Opfer bringe, das größer ist, als ich es ertragen kann: auf die Drucklegung meiner Werke kann ich nicht verzichten.
Ich bitte Sie um baldige Antwort und bin mit den allerherzlichsten Grüßen
Ihr ergebener Arnold Schönberg


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