| Hotel Ansonia
Broadway, 73rd Street,
New York City
PT UE
WIEN I.
Karlsplatz 6
Sehr geehrte Herren,
ich benötige dringend 1. eine Kopie unseres letzten Gene[r]alvertrages (September 1932). Sie wissen ich habe noch all meine Sachen in Paris und habe keine Ahnung in Welche Kiste man das verpackt hat. Bitte lassen Sie den auf meine Kosten kontophotieren. Ebenso
2. eine Photokopie der unter dem gleichen Datum vereinbarten Einheitsform der Special- Urheberrechtsabtretungen, wie sie eine solche für jedes Werk einzeln ausfertigten (bei dieser Gelegenheit bitte ich Sie diese Sache jetzt durchführen zu lassen, wie sie damals vereinbart war).
3. eine Liste meiner bei Ihnen erschienenen Werke einschliesslich der in die UE aufgenommenen (Dreililien, Tischer und J etc) sowie das Datum und die Nummer unter welcher das amerikanische Copyright genommen wurde.
4. bitte ich sie mir eine Photokopie des seinerzeit zwischen uns vereinbarten Vertragsschemas über die Publikation der Harmonielehre einzusenden (die Abmachung bezüglich der Rechte und ihrer Vergebung befindet sich ja im Generalvertrag).
Und nun habe ich eine sehr wichtige Frage an Sie zu stellen und aus eigenem eine hinzuzufügen (aus welch letzterem Umstand Sie vielleicht werden erraten können, dass ich Ihr Interesse zu wahren gedenke):
Wäre die Universal Edition bereit, ihre gesamten Rechte an meinen Werken an eine dritte Person abzutreten soweit sie nämlich den amerikanischen Kontinent betr[e]ffen und welche Forderung würde die Universal Edition dagegen erheben?
Meine persönliche Zusatzfrage lautet: Was würde die Unviersal Edition für die Abtretung aller Rechte an meinen Werken in allen Ländern und Kontinenten, zu Wasser, zu Lande und in der Luft, verlangen?
Ich habe noch eine Frage, durch deren Beantwortung Sie mir einen grossen Dienst erweisen würden: wie stellt sich gegenwärtig das Verhältnis emigrierter jüdischer Komponisten zur GDT? Besitzt sie noch Rechte an mir? Wie lange laufen diese? Welche Werke betreffen sie? Sind sie kündbar? Bin ich Mitglied der Stagma, obwohl ich bisher von der Stagnme[!] keine diesbezügliche Mitteilung erhalten habe und seinerzeit eine von mir geforderte Erklärung der Rechtsabtretung nur mit Vorbehalten unterzeichnet habe: dass nämlich das neu Statut keine mir unbekannten Bestimungen enthalten dürfe und insbesondere mich nicht in eine besondere Klasse minderberechtigter Autoren einreihen dürfe. Darauf erhielt ich keine Antwort.
Bitte antworten Sie mir recht bald. Ich hoffe Ihnen sehr Günstiges dann mitteilen zu können.
Viele herzlichste Grüsse, Ihr
[in Schoenberg's hand:]
ungefähr 8-10 März 1934[?]
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