Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1914.11.18 Filing Element: 1914.11.18
ID: 20910
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B209100
First Line: Ihre Zuschrift vom 12. ds. habe ich gestern erhalt
Language: G, German
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typed letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM172814
Version: Final version
Text:

W
Wien 18. November 1914
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Berlin

Lieber Herr Schönberg !
Ihre Zuschrift vom 12. ds. habe ich gestern erhalten. Die Briefe aus Berlin gehen also beinahe noch immer so lange, wie die in Friedenszeiten aus Amerika.
Die angekündigte Zusendung der Korrekturen des Monodrams erwarte ich mit Interesse. – Was nun Ihren Vorschlag anbelangt, die Stimmen aus der Monodrama-Partitur selbst abzuschreiben, so akzeptiere ich diesen mit grosser Freude. Alle drei Gründe die Sie anführen, finde ich triftig und berechtigt. Ich bitte Sie, diese Arbeit, so bald es Ihnen möglich ist, anzufangen. Ich glaube nicht, dass wir wegen des Preises zu irgende einer Meinungsverschiedenheit kommen werden. Sollten Sie wünschen, dass wir jetzt schon einen Preis festsetzen, so bin ich auch dazu bereit. Zweckmässig wäre es aber, wenn Sie die Arbeit beginnen würden, eine Stimme schreiben wollten und mir dann mitteilen könnten, welche Zeit Sie für diese Stimme annähernd verwendet haben und welchen Umfang sie hat, damit wir dann, unter Vergleich mit den sonstigen, höchsten Kopiaturpreisen und des Korrekturhonorars, irgend eine Preisbasis kombinieren können.
Dass Ihre Musterung in absehbarer Zeit erfolgen könnte, ist nicht sehr wahrscheinlich. Sollte es aber doch der Fall sein, so ist gar keine Aussicht, dass Sie für das Vaterland anderswo als in irgend einer Kanzlei oder Montur-Abteilung Verwendung finden, denn so viel mir gemeldet wurde, dürften die späteren Altersklassen selbst im Falle einer Einberufung keineswegs zur militärischen Ausbildung, geschweige denn an die Front gelangen. Im Uebrigen waren ja die letzten Tage durchwegs erfreulich. Unsere Zuversicht ist groß und begründet, trotz der russischen Uebermacht. Es wird nicht einmal Ihrer „42 Centimeter-Symphonie“ bedürfen, um unsere Feinde in die Flucht zu schlagen.
Vor einigen Tagen schrieb mir Walter, dass er vorerst noch immer an dem Plan festhalte, die „Gurre-Lieder“ im März aufzuführen. Er hofft, für den eingerückten Teil des Chores Ersatz zu finden und glaubt, dass er etwa Ende Dezember so weit sein wird, um in dieser Sache eine definitive Entscheidung treffen zu können. – Nachdem ich nun das eine komplette, vorhandene Material nach Amsterdam schicken soll, damit die Herrschaften auch den Materialbetrag bezahlen, so muss ich nun Alles daran setzen, um das zweite Material für München in tadellosen Zustand zu bringen. Dies ist eine ebenso komplizierte, als kostspielige Sache, weil ja seit der Uraufführung noch bei jeder Aufführung, ja selbst bei jeder Probe Aenderungen in der Partitur gemacht wurden, die entweder gar nicht oder ungenau und ungenügend in die Stimmen eingetragen worden sind. Ich will aber doch das Orchestermaterial so rasch fertigstellen, dass, wenn Walter sich zur Aufführung in dieser Saison entschliesst, er sein Material sofort erhalten könne.
Ihre Idee, in Wien ein Wohltätigkeitskonzert zu dirigieren, greife ich auf und werde mich mit den in Betracht kommenden Faktoren in Verbindung setzen.
Wäre es nicht möglich, dass Sie in Berlin oder anderswo mit einer guten Solistin das Lied der Waldtaube mit Orchester herausbringen ? Wir haben von dieser Nummer ein komplettes Material vorrätig das ja unter Umständen, nur damit Sie dirigieren können, auch gratis beigestellt werden könnte.
Hätten Sie jetzt nicht Zeit und Lust, Ihre musiktheoretischen Ideen / Kontrapunkt u. dgl. / zur Ausführung zu bringen ? Es würde Sie doch ablenken und Sie hätten nicht die Empfindung wie bei den Kriegserfindungen, dass Ihr Wissen dazu nicht ausreicht.
Wir haben uns hier an die Kriegstemperatur in den letzten Wochen so gewöhnt, dass die anfangs um sich greifende allgemeine Lähmung zum grössten Teile geschwunden ist. Ein Jeder hat die Empfindung, dass es eine moralische Pflicht ist, seinen Platz mehr denn je auszufüllen d.h., alles zu tun, dass der Gesamt-Mechanismus nicht stocke. Jedes Stillstehen eines noch so kleinen Rädchens bringt wieder andere zum Stillstand und wirkt in seiner letzten Konsequenz für die Volkswirtschaft, für soziale Fürsorge, etc. verhehrend.
Was die Frage des Vorschusses betrifft, so lasse ich Ihnen gleichzeitig aus Leipzig zunächst 100 Mark zugehen. Ich hoffe, dass es mir möglich sein wird, Ihnen schon in ganz kurzer Zeit einen weiteren Betrag überweisen zu können.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr Ihnen aufrichtig ergebener
Hertzka

[Von Schönbergs Hand:]
Glückl. Hand
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Harm. "


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