Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1911.10.31 Filing Element: 1911.10.31
ID: 202
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B002026
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
Company: Universal-Edition A.G.
First Line: Vor allem: die Pelleas-Partitur hat mir große Freu
Description: *Discrepancy insert fr.322 rl.3.
Language: G, German
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handwritten letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM000195
Version: Final version translation, English
Text:

Before all else: I was very pleased indeed with the Pelleas score.



 


Version: Final version
Text: Arnold Schönberg, Berlin Zehlendorf, Wannseebahn,
Machnower Cahusee, Villa Lepcke

31/10.1911

Lieber Herr Direktor Her[t]zka,
Vor Allem: die Pelleas Partitur hat mir große Freude gemacht. Wie ist so schön, daß man beispielsweise bei den Schriftworten die vorkommen eher glauben möchte, das soll Schriftimitation sein, als bei den Noten, daß sie Druckimitation sind. Bitte sagen Sie der Druckerei meinen besten Dank.
Das Stimmen-Material hat Leonard Ihnen schon geschickt und hoffentlich haben Sie es erhalten. Sie wollen es autografieren lassen? 1) dann muß ich Sie bitten, das so einzurichten, daß ich keine Korrektur davon lesen muß. Ich habe das seinerzeit so sorgfältig korrigiert und es hat mich soviel Zeit gekostet, daß ich es nocht noch einmal tun kann.
Wenn Sie es zum Autografieren schicken, müssen Sie unbedingt darauf aufmerksam machen, daß der Schreiber die gleichen Wendestellen einhalten soll, wie in der Vorlage. Oder wenigstens ebenso ausgiebige wählt!! Ich mußte damals viele Seiten selbst abschreiben und mußte unbedingt schlechte Wendestellen ablehnen. - Leider sind beispielsweise meine Quartettstimmen in dieser Hinsicht nicht sehr gut!! Das ist eine arge Unbequemlichkeit, bei einer so schwierigen Musik!!!
Was die Partitur anbelangt, so hatten Sie mir seinerzeit zugesagt, einige Exemplare kleiner abschneiden zu lassen und sie 2) als "Studienausgabe" ermäßigt herzugeben. Ist das möglich? Wenn nicht, so bitte Sie mir für Webern ein Exemplar mit dem Buchhändler-Rabatt zu überlassen; also mit 40-50%.
Zemlinsky schreibt mir, das Material für Pelleas sei vom Theater schon fix erworben worden. Was haben Sie dafür 3)bekommen? dann hat er wohl auch die Partitur fix, und nicht zur Ansicht, wie Sie mir irrtümlich schreiben; dann sagen Sie, die Kosten der Klischees seien so hoch. Wieviel beträgt das? Wie teuer kommt überhaupt die ganze Sache? Ich erhalte darüber nicht eine 4) Abrechnung. - Die Auflage von 2000 Exemplaren hatten Sie mir schon seinerzeit zugesagt. Ich hoffe Sie haben bei der Ansetzung des Verkaufspreises auch angenommen, daß ich im Falle eines Erfolges eine möglichst große Summe haben möchte!!!
Dann noch etwas: bitte da bestimmt zu beantworten!
Das Buch würde doch, so wie wir es verabredet hatten, 5) mit der Setzmaschine hergestellt. So daß ich von den folgenden Auflagen mehr bekomme!!?
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Gurrelieder. Sie hatten mir brieflich zugesagt, den Gurrelieder-Auszug noch bis zum Ablauf dieses Jahres herauszubringen. Wenn ich wirklich eine Aufführung erzielen soll, muß ein Auszug da sein. Sie haben keine Ahnung, wie sehr mich das an allem hindert, daß die größere Hälfte meiner Werke nicht gedruckt ist. Nicht nur, daß sie nicht verkauft werden können, sie können auch nicht aufgeführt werden. Eben jetzt zeigt sich das wieder. Die Konzertdirektion Wolff will mich "in die Hand nehmen". Ich war gestern bei Frau Wolff und sie will kolossal viel für mich und meine Sache tun. Sie hat schon mit Nikisch gesprochen. Heute abend wird sie Rose sagen, daß er jetzt (heuer noch) mein Quartettt bringen soll. (das ist nicht bloß eine Aufforderung, sondern: eine Erlaubnis, ein Auftrag!!!) Dann wird sie der Lula[?] Gmeiner[?] sagen, daß sie heuer meine Lieder singt. Natürlich nicht bloß in Berlin. Siloty führt in ihrem Auftrag Pelleas in Petersburg auf. Bieten Sie ihm sofort die Partitur an. Auch die Gurrelieder will sie unterbringen. Und die fünf Orchesterstücke will sie Nikisch zeigen. Nikisch soll einstweilen zuerst die Orchesterlieder aufführen. Nur müssen wir einen Tenor dafür finden. Schicken Sie ihr bitte sofort die Klavier-Auszüge der Orchesterlieder.
Ich würde ihr ja nicht alles glauben, was sie mir verspricht, und glaube ja auch nur einen Theil. Aber, ich scheine auf sie sehr viel Eindruck gemacht zu haben und da sie mir Sachen in die Hand nehmen, die sie nur ein Wort kosten (aber kein Geld!!) so glaube ich, daß manches da werden wird. Uebrigens ist sie auch bereit mir einen Kompositions-Abend zu machen. Aber da war ich nicht sehr dafür. Denn ich möchte mit dem Publikum zusammentreffen und nicht mit den "Freikartenabnehmern."
Es wäre also dringendst nötig, daß Sie bald wieder einiges von mir drucken. Mir schiene am Dringendsten:
Gurrelieder-Auszug
George Lieder (26 Seiten, das kostet ja kaum mehr als 200 Mark
Kammersinfonie (autografiert)
Orchesterstücke ( " )
Ich bin fest überzeugt: wenn Sie bald einen Erfolg von meinen Sachen haben wollen, müssen Sie meine Noten auflegen. Sonst glaube ich, wirds schwer gehen.
Aber so gienge es. Sie glauben gar nicht, wie "berühmt" ich hier bin. Ich schäme mich ja selbst fast, es zu gestehen. Ueberall kennt man mich. Man erkennt mich nach meinen Bildern. Man kennt meine Biografie, meine Eigenheiten, weiß von meinen "Skandalen" und fast mehr als ich, der ich so etwas bald vergesse. Wenn Sie da ein wenig nachhelfen wollten, so müßte bald was zu machen sein. Man verspricht sich auch in dieser Hinsicht viel von Ihnen. Sie haben hier, persönlich, einen sehr guten Ruf und gelten daher, anders zu sein, als man sonst in Wien ist. Ich habe Sie auch sehr gelobt. Nun bitte drucken Sie mich!!! Ich bin sicher daß es gut ist!!
Auch Emil Guttmann will viel für mich tun. In der letzten Zeit hörte ich nichts von ihm. Aber er hat nicht mehr und nicht weniger vor, als eine Aufführung der Gurrelieder in diesem Winter in Berlin!!! - Wir wollen sehen.
Nun noch eine Kleinigkeit. Ich habe mich sehr gefreut, daß Sie für meine Sachen Propaganda machen, als ich die Prob.-Nummer der Allg.D.Mus.-Ztg. (mit meinem Aufsatz) bekam. Nur eines möchte ich Sie bitten; fassen Sie, was ich Ihnen jetzt sage, als humoristisch auf; aber ich meine es zum Theil ernst.
Nämlich: man nennt mich in Ihren Ankündigungen den "mutigen Vertreter der Wiener musikalischen Moderne". Seien Sie nicht bös, aber: Richard Strauß ist Generalmusikdirektor, Pfitzner ist Direktor, Reger sogar Hofrat. Könnten Sie mich da nicht wenigstens zum General-Vertreter d.W.M.-M ernennen. Ich möchte gerne auch General sein. Aber ein "mutiger Vertreter" --ich weiß nicht, das erinnert mich immer an einen Handlungsreisenden, der sich nicht hinausschmeißen läßt. Das ist ein mutiger Vertreter. Und dann im Ernst: Wer ist denn diese Musik-Moderne, die ich vertrete? Weigl? Stöhr? - Ich vertrete doch überhaupt gar nicht, sondern komponiere sogut ich kann!! Ich vertrete nicht einmal mich!!
Nicht wahr, Sie sorgen dafür, daß der Herr in Ihrem Bureau, der das sicher gut gemeint hat, als er es schrieb, nicht bös ist, über meine Scherze. Das ist nicht meine Absicht, ihn zu kränken!! Aber dieser Epistelton ist mir unangenehm. Denken Sie nur wie leicht Musiker über so etwas spotten und wie arg es ist, wenn sie nun gar Berechtigung dazu bekommen. Sie wissen ja, wie wir Musiker sind. Und wie[?] gräßlich!!
Nun muß ich Ihnen in Kürze noch über meine Berliner Verhältnisse folgendes sagen. Ich habe hier sehr viel Aussichten. Mehr ist es vorläufig nicht. Tätigkeit habe ich eigentlich noch nicht. Aber Schnabel und Busoni und viele andere sind sicher, daß das bald kommen wird. Zunächst halte ich am Sternschen Konservatorium einen Cyklus von 8-10 Vorträgen über: "Aetthetik[!] und Kompositionslehre". Das beginnt am 20. Novbr. davon hoffe ich mir viel für meine Lehrtätigkeit. Dann sollen ja die Konzerte kommen und noch manches Andere. Aber ich muß mich hier erst einführen. Dann werde ich mich schon so durchsetzen, daß man sogar in Wien vor mir Respekt haben soll!!
Einstweilen habe ich eine sehr schöne Wohnung. Ganz auf dem Land; mitten im Wald sozusagen. Mit einem herrlichen Park. Und sehr billig! Das gefällt mir bis jetzt am besten in Berlin. Hoffentlich kommt anderes, das so gut ist wie das.
Nun will ich Ihnen noch für Ihre freundlichen letzten Briefe sehr danken. Hoffentlich wird der den Sie mir als Antwort auf diesen schreiben auch angenehm für mich.
Ich habe in diesem Brief die ganzen Fragen, deren Beantwortung mir besonders wichtig ist, mit Nummern versehen. Bitte beantworten Sie die alle.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg

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