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Wien 5. Mai 1914.
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Berlin
Lieber Herr Schönberg !
In sofortiger Erledigung Ihres gesch. Gestrigen muss ich mich in Angelegenheit meiner Monodrampartitur-Idee nicht gut ausgedrückt haben, denn ich wollte, dass wir Partitur und Klavierauszug zu einer einzigen Ausgabe verbinden und dachte nicht daran, dass ausserdem noch ein Klavierauszug gemacht werden würde. Wenn Sie nun als Voraussetzung Ihrer Zustimmung zu dieser Art des Partitur-Arrangements die Einschränkung knüpfen, dass die Drucklegung eines Klavierauszuges durch diese Einrichtung nur hinausgeschoeben werde, so muss ich meine Idee als „zwecklos aber kostspielig“ zurückziehen, denn wenn dieser Klavierauszug weder zum Korrepetieren noch fürs grosse Publikum ist, wie Sie selbst schreiben, dann kann er doch nur für den kleinen Kreis wirklich ernster Musiker in Betracht kommen, die sich zwar für Ihre Partitur sehr interessieren werden, aber weniger für einen schwer spielbaren Klaviersatz des Herrn Steuermann. Wir wollen daher die von mir aufgeworfene neue Idee als gegenstandslos, wieder ad acta legen. Unter diesen Umständen ist auch die derzeitige Druckreifstellung des Klavierauszuges nicht aktuell.
Auch ich bin sehr froh, dass die Harmonielehre-Frage als entgiltig gelöst erscheint und bitte Sie, mir den Ihnen vor vielen Wochen zugegangenen Vertrag zurückzusenden, damit ich den Punkt über die Harmonielehre noch aufnehmen kann und Sie ihn dann definitiv unterschreiben können.
Den Korrekturabzug der Georgelieder & der Kammer Symphonie haben Sie inzwischen ja erhalten. Sie sehen, ich entspreche Ihren Wünschen so weit als irgend möglich. Pierrot Korrectur erwarte ich stündlich.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr in aufrichtiger Hochschätzung
ergebener
Emil Hertzka
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