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Wien 1. Mai 1914.
Wohlgeboren
Herrn Prof. Arnold Schönberg
Berlin
Lieber Herr Schönberg !
Ihre Diagnose ist nur halbrichtig. Ich bin zur Zeit als ich Ihnen das letztemal schrieb, allerdings unter einer argen Verstimmung gestanden, es war aber keine Magenverstimmung, wie Sie annehmen. Ihre freundl. Wünsche für die baldige Besserung haben schon teilweise ihre Wirkung getan und ich danke Ihnen für dieselben. Ohne mein letztes Schreiben nochmals durchlesen zu müssen, kann ich Ihnen ehrlich und offen erklären, dass von mir weder Sticheleien, noch auch Ironie beabsichtigt war und dass es mir leid tut, wenn irgend eine Wendung von Ihnen so aufgefasst werden konnte. Ich freue mich, dass Sie auf einen verdriesslichen Erguss von meiner Seite mit einem fein Humoristischen reagieren und stehe nicht an zu erklären, dass Ihr letztes/ Schreiben und Ihre Vorschläge nach jeder Richtung hin wohlwollend und entgegenkommend sind. –
I. Nach Amsterdam habe ich inzwischen die Bedingungen bekanntgegeben und ich glaube nicht, dass dieselben ein Hindernis für die Annahme bilden werden.
II. Die Partitur „Gurrelieder“ wird also vor/erst noch nicht gestochen, aber auch nicht autographiert und so wie die Chancen für das Werk und die allgemeinen Verhältnisse besser werden, wird sofort mit dem Stich begonnen.
III. Die zwei kompletten Aufführungsmateriale werden an Hand Ihrer definitiven Partitur sorgfältig eingerichtet und werden ohne Schwierigkeit für Leipzig, Amsterdam und München ausreichen.
IV. An Zemlinsky schrieb ich, dass er, falls die Prager Aufführung definitiv ist, mir diesbzgl. sofort bindende Mitteilungen der Direktion zukommen lassen soll und lege ihm gleichzeitig nahe, die Aufführung nicht vor Mitte Jänner anzusetzen (was ja auch keinesfalls in seiner Absicht liegt), denn Mitte Dezember bekommen wir ja das Material aus Amsterdam zurück und Zemlinsky hat dann vier Wochen Zeit, mit diesem Material Orchesterproben zu halten.
V. Bezüglich der Harmonielehre will ich mich damit einverstanden erklären, dass in Zukunft die Hälfte der Ihren Anteil betreffenden Eingänge bis zur Tilgung der Herstellungskosten zur Deckung derselben verwendet werden, während die andere Hälfte auf das Hauptkonto kommt. Sie werden also von den Gesamteingängen für die Harmonielehre 25% (die Hälfte Ihrer Hälfte) auf Konto gutgeschrieben bekommen, während die übrigen 25% zur Amortisation Ihrer Hälfte verwendet werden. Dieser Verteilungsmodus wird schon in der Abrechnung des ersten Semesters 1914 zur Anwendung gelangen. Ich hoffe, Sie sind mit dieser Erledigung zufrieden und es ist nunmehr keinerlei Divergenz in unserem Abrechnungsverhältnis vorhanden.
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[Folgeseite nicht vorhanden]
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