Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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ID: 17527
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Language: G, German
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Text:

W
Wien 30. März 1914.
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Berlin

Lieber Herr Schönberg !
Auf das Vorsatzblatt der Kammersymphonie wird die Sitzordnung und die von Ihnen gemachten Anmerkungen aufgenommen werden.
Der uns empfohlene Kopist Sladek, hat sich als höchst unverlässlicher Schreiber erwiesen und insbesonders in den Holzbläsern Ihrer „Gurre-Lieder“ derartige Fehler gemacht, dass seine Weiterverwendung ausgeschlossen ist.
Als ich am Abend nach der hiesigen Gurrelieder-Aufführung ein Telegramm an Sie richten wollte, haben mir die Herren vom Philharmonischen Chor, Schreker, Dr. Löwy, etc. mitgeteilt, dass Herr Berg erklärt hat, er werde Ihnen telegrafieren. Mit Hinblick darauf habe ich dies unterlassen und es vorgezogen, Ihnen sofort nach der Aufführung ausführlich zu schreiben, was ja auch geschehen ist.
Was die Frage der Einladung seitens des Philharmonischen Chores betrifft, so fühle ich mich allerdings nicht kompetent, diesbezüglich eine Aeusserung abzugeben, aber ich möchte doch Ihrer Ansicht, dass die diesmalige Aufführung ein schönes Erträgnis ergeben hat, widersprechen. So weit mir bekannt ist und mir auch von den wahrheitsliebenden Persönlichkeiten des Ausschusses mitgeteilt wurde, ist ein Reinerträgnis der beiden Veranstaltungen inkl. Generalproben nicht zu erwarten und selbst wenn – was nicht ganz wahrscheinlich ist – bei der VIII. Mahler-Symphonie Generalprobe und Aufführung ausverkauft werden sollte, würde der Reingewinn sich für beide Veranstaltungen, höchstens auf 1000 Kronen belaufen. – Nun kämpft der Philharmonische Chor aber derzeit noch so kolossal mit Existenz-Sorgen, dass er bisher noch nicht einmal weiss, ob er im nächsten Jahr wird Konzerte veranstalten können. Dass unter diesen Umständen zu besonderer Noblesse nicht viel Animo vorhanden ist. ist ja leider begreiflich.
Soeben trifft Manuskript George-Lieder und Korrektur Pierrot ein. Ad George-Lieder möchte ich Sie befragen, ob es Ihnen recht ist, wenn ich die Gesangstexte aus 1 – 2 Seiten den Liedern vorsetze, damit sich jeder, der das Heft in die Hand nimmt, leicht über die Texte orientieren kann.
Wie würden Sie sich zu der Idee verhalten, die George-Lieder in zwei Heften à M 3.– herauszubringen? Ich kann nämlich die Lieder komplett nicht unter M 6.– geben. (was übrigens im Verhältnis zu Opus 6 aus dem Drei Lilien-Verlag noch billig ist, da das Heft mit 8 Liedern auch M 6.– kostet.) Wenn Sie glauben, dass die Lieder in zwei Heften à M 3.– leichter verkäuflich sind, so würde ich mich dazu entschliessen, obzwar mir, offen gestanden, bei einem derartigen Zyklus die Teilung nicht zweckmässig erscheint.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr Ihnen aufrichtig ergebener
Hertzka


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