Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1928.12.25 Filing Element: 1928.12.25
ID: 1628
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B016286
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
Company: Universal-Edition A.G.
First Line: unsere Absicht, in Berlin über meine geplante Oper
Description: Received by UE: 1928.12.28[?]; answered by UE: 1928.01.02
Language: G, German
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typed letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM002835
Version: Final version
Text: Arnold Schönberg
Roquebrune Cap Martin
Pavillon Sévigné
Frankreich

25.XII.1928

Lieber Herr Direktor Herzka[!],
unsere Absicht, in Berlin über meine geplante Oper zu sprechen, hat sich nicht verwirklicht. Ich hatte gehofft, mein Drama fertigzustellen und bin zu diesem Zweck hiergeblieben, habe die Berliner Variationen-Aufführung deshalb versäumt und die Dresdener Suite-Aufführung nicht dirigiert. Leider aber kann ich das doch n[i]cht hier, wo mir einiges Material fehlt fertig machen, obwohl ja nur mehr ganz wenig daraan[!] zu tun war und eine Woche fester Arbeit für den Rest genügte.
Ich will Ihnen aufrichtig sagen, warum ich mich sosehr bemüht habe, ein Werk noch vor meiner Berliner Arbeitszeit zu vollende. Unser Vertrag läuft am 31.XII: ab und ich habe nun begreiflicher Weise kein werk fertig, um die entfallende Monatsrate von 500.-- Mark durch Verkauf an einen Verleger zu ersetzen. Ich habe nun vor ca. drei Wochen die Arbeit an meinem Drama einsweilen eingestellt und mit der Komposition dieser einaktigen Oper begonnen, von der ich Ihnen letzhin geschrieben habe und deren Textbuch nun wesentlich verbessert ist. Leider aber komme ich auch mit dieser Arbeit nicht so rasch vorwärts, als ich gehofft hatte. Kompositionen mit zwölf Tönen müssen ja nicht bloss dem Publikum gefallen, sondern sogar den Eingeweihten (oder, wie Sie r[i]chtig bemerken: den Auserwählten). Dazu kommt, dass sich hier neue Probleme dieser Kunst zeigen, für welche ich noch keine Erfahrungen sammelnmeln[!] konnte: es heisst, Recitative zu schreiben und, die grösste Schwierigkeit: Ensembles.
Immerhin kann ich, auch wenn ich nicht so rasch vorwärts komme, wie z.B. bei der Erwartung oder dem Pieerot[!] oder dem 3. Streichquartett, vielleicht Ende Jänner fertig werden.
Ich habe nun den Eindruck, dass sie seit der Berliner Aufführung meiner Orchestervariationen das Zutrauen zu meiner Sache verloren haben. Ich kann das sehr gut gebreifen würde Ihnen keinen Vorwurf daraus machen können und möchte nicht dass Sie sich bei Ihren Entschliessungen durch andere Rücksichten leiten lassen als auch nicht sondern nur (ich kann mich nicht enthalten hier ohne böse Nebenabsicht, einen Witz anzubringen, den ich sehr gut finde) durch die Erwägung, dass bei dem gegenwärtigen Zinsfuss nur Gemeinschaftskunst einige Aussicht auf Rentabilität hat.
Meine Gründe kennen Sie nun. Und jetzt möchte ich Sie bitten, mir umgehehnd[!] zu sagen, ob Sie dieses Werk erwerben wollen. Nur muss ich gleich sagen, dass ein Vertrag, wie wir ihn bis jetzt hatten, für mich nicht mehr in Betracht käme, da es meifeste Ueberzeugung ist, dass es für den Autor günstiger ist, das Verlagsrecht gänzlich zu verkaufen. Deshalb bin ich auch nunmehr entschlossen, das Beispiel Richard Strauss zu befolgen, der in Geschäftsfragen vorbildlich ist.
Selbstverständlich würde ich bei gleichen Bedingungen unbedingt die UE vorziehen, schon deshalb, weilich bei jedem andern Verlag in Gefahr bin andere Werke schleppen zu müssen, während die UE gewiss meine beiden früheren Bühnenwerke da zu geben würde. Aber ich bitte sich durch keine diesbezügliche rücksichtnahme gebunden zu erachten, denn ich tue das auch nicht.
Ich möchteauch wieder einmal einen grösseren Betrag auf einmal in die Hand bekommen, was ich ja bei der UE nie erlebt habe.
Ich wäre Ihnen für eine rasche Antwort sehr dankbar, da ich im Ablehnungsfalle gerne gleich andere Beziehngen anknüpfen möchte. Ich bin ja nicht gerade in momentaner Geldverlegenheit, möchte aber nicht solange warten.
Inzwischen verbleibe ich mit den besten Weinachts[!]- und Neujahrswünschen, herzlichst, Ihr

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