Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank

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Date from letter: 1927.01.23 Filing Element: 1927.01.23
ID: 1281
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B012811
First Line: ich komme erst heute dazu, Ihre letzten Briefe zu
Description: Received by UE: 1927.01.25; answered by UE: 1927.02.17
Language: G, German
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Version: Final version
Text: Arnold Schönberg
Charlottenburg 2
Steinplatz 2
Pension Bavaria

23.I.1927

PT UE

ich komme erst heute dazu, ihre letzten Briefe zu beantworten.
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich es unerhört finde, dass die ohnedies so verspätete Herausgabe meiner neuen Suite nun wieder vollkommen grundlos, mit einer absolut sinnlosen Ausrede neuerdings verschoben worden ist. Ich habe nur aus einem Grund nicht sofort protestiert: weil das ganz bestimmt so nicht weiter geht: ich behalte mir meine diesbezüglichen Beschlüsse zunächst vor.
Ferner muss ich an die PS-Bemerkung Ihres Briefes vom 3.I. folgendes erklären: ich habe Herrn Winter erklärt (und zwar wiederholt!) dass ich jene Beträge, die ich im vergangenen Jahr über die 500 Markzahlung hinaus behoben habe auf das Konto "alte" Werke belastet haben möchte. Da nunimmer wieder dennoch dieser Betrag auf das Konto neue Werke verrechnet wird, so muss ich nun erneuert an die Bedingungen erinnern, die ich bei der letzten Neuregulierung unseres Vertrages gestellt und zugesagt erhalten habe:
I. dass mir, wenn ich Vorschüsse benötige, diese jederzeit bewilligt würden ("Betrachten Sie die Universal-Edition als Ihren Bankier..." sagte mir damals Dir. Herzka[!])
II. Dass ich eine Garantie dafür verlangte, dass meine Einnahme eine gewisse Mindesthöhe errreichen[!] müssen, da ich sogar damals, als die Einnahmen noch weit höher waren, damit begreiflicherweise unzufrieden sein musste. Nur, weil wir keine Möglichkeit fanden, diese forderung in eine Vertragsfähige Forme zu fassen, wurde sie nicht im Vertrag erwähnt, aber ich glaubte durch meinen Verzicht auf eine höhere Tantiemenzahlung, den ich zu diesem Zweck selbst vorschlug, eine höhere Summe zu erreichen, und nahm die mir damals gegebene Versicherungen als zureichend zur Kenntnis. Nichtsdestoweniger sind meine Einnahmen trotzdem von Semester zu Semester bedeutend gesunken, so das ich für alte und neue Werke zusammen kaum mehr erhalte, als damals für die altenn allein.
Ich muss nun feierlichst erklären, dass ich der UE keineswegs mein ganzes Lebenswerk anvertraut hätte, wenn ich angenommen hätte, dass--aus welchen Gründen immer--mir alle meine Werke, bis Op. 22 inclusive Harmonielehre und Gurrelieder so wenig tragen werden, dass man mir diese Summe nicht auf meine Halbjahresrechnung schreiben kann.
Ich erkläre, dass das keineswegs so weiter gehen kann! Es ist Pflicht eines Verlages, der einem Autor soviel verdamktl[!], wie die UE mir, dass sie seinen Werken einen entsprechenden Absatz zu verrechnen in der Lage ist. Wie sie das macht, ist nicht meine Sache!
So muss ich also entschiedenst ersuchen (ohne dass ich damit der notwendigen Regelung der obigen Frage vorgreife) mir zuverlässigsolange weiter den für meine neuen Werke abgemachten Betrag monatlich regelmässig weiterzubezahlen, bis ich auf den mir von Ihnen gemachten Vorschlag einer Aenderung unseres Vertrages eingehen werde.
Das wird zuverlässig in den nächsten Wochen schon geschehen. Ihren Vorschlag: diesen Vorschlag zunächst als nicht geschehen anzusehen, bin ich nämlich nicht in der Lage zu akzeptieren: Im gegenteil: ich werde ihn niemals vergessen. Ich werde es immer im Gedächtnis behalten, dass die UE, in einem Augenblick, wo sie glaubte, dass mein Erfolg im Abnehmen sei (als ob ses[!] jemals gestattet hätte, mich nach meinem Erfolg zu beurteilen!) auf einen Teil meines Schaffens verzichten will; mich mit diesen Werken also höflich vor die Tür setzt:[!]!
Ja, es ist ein neuer Geist in die UE eingerissen. Ein gerissener Geist. Mindestens von diesem werde ich mich unbedingt trennen müssen.
Ich bin, mit vorzüglicher Hochachtung

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