| Verlag
Dreililien
Halensee-Berlin
Georg Wilhelm-Str. 22
den 16.12.1903
Lieber Herr Schönberg.
Da wir einmal A gesagt haben, müssen und wollen wir auch B sagen, das ist ganz selbstverständlich. Ueber Ihre neuen Lieder liesse sich manches sagen, vor allem: es ist ein grosser Irrtum Ihrerseits – leichter zugänglich sind sie nicht. Sie werden vielleicht von diesem oder jenem intelligenten Sänger aufgegriffen und gesungen werden, aber wer in aller Welt soll sie kaufen? Wer anders als ein Künstler ersten Ranges kann das singen, wer anders als ein „Konzertpianist“ das spielen? Es ist ein Uebel dass Sie nicht Klavierspieler sind. Das ist alles orchestral empfunden und erfunden und präsentiert sich sozusagen als Klavierauszug, was ebenso im letzten Sinne unbefriedigend wirkt wie ein Orchesterstück, das instrumentierte Klaviermusik darstellt. Indessen ich vermute, das Sie sich dessen selbst sehr wohl bewusst sind, resp. dass Ihnen das auch schon von anderer Seite gesagt worden ist. Also – wir werden die Lieder drucken, aber einen Vorschuss können wir Ihnen darauf nicht bewilligen, was wir einzusehen bitten!
Lassen Sie die Lieder also singen und teilen Sie mir mit, wie sie Ihnen und anderen gefallen haben.
Dass ich von Ihrer starken Begabung nach wie vor überzeugt bin, brauche ich Ihnen wohl kaum zu sagen, aber es gährt noch und schäumt noch über: der Wein ist noch nicht reif. Nichts für ungut
bestens Ihr
Max Marschalk
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