| ARNOLD SCHÖNBERG
CHARLOTTENBURG 2
STEINPLATZ NR. 2
PENSION BAVARIA
16.IV.1926
PT UNIVERSAL EDITION
Herrn Dr. Kalmus
Lieber Herr Doktor,
die Korrektur des 4.Stückes habe ich erhalten und auch Ihren Brief.
Ich bin dagegen, von dem begleiteten Stück eine Extraausgabe zu machen, weil
1. die 3 anderen Stücke ohnedies sehr kurz sind, so dass kaum jemand vorziehen wird, bloss das einzelne zu kaufen;
2. aber hängt bei diesen Stücken die Aufführungsfrage nicht davon ab, ob man es mit oder ohne Begleitung machen will, sondern weit mehr davon, ob man es überhaupt zusammenbringt, sodass also, wer nicht alle machen kann, sondern nur zwei, keinesfalls nach der Frage der Begleitung entscheiden wird.
Lnssen[!] Sie also zunächst wenigstens das ganze opus beisammen. Soll die Praxis wider[!] Erwarten ein anderes Bedürfnis zeigen, so kann man ja immer noch unschwer eine Separatausgabe anfertigen.
Nun bitte ich Sie aber den Stich etwas mehr zu beschleunigen. Es sind fast drei Monate, dass ich das Manuskript abgeliefert habe und bis jetzt ist erst kaum die Hälfte erschienen. bitte um Mitteilung, wieso das möglich ist. Wann erhalte ich endlich die Korrekturen des zweilen[!] Heftes? Wenn das so lange dauert, verliert man wirklich alle Lust. Abgesehen davon bin ich ja durch das langsame Erscheinen menier[!] Werke so schwer geschädigt, dass ich das nicht ruhig hinnehmen kann. Wenn mein Konto dadurch immer mehr belastet wird, so muss ich doch wenigstens durch rasche Absatzmöglichkeit der neuen Werke die Möglichkeit sehen, es wieder flott zu bekommen.
Es ist wahrscheinlich, dass ich in kurzer Zeit die Suite (von der jet[!] jetzt drei Sätze fertig sind, und an deren letztem ich arbeite) fertig wird. Ich möchte nun diesmal sehr gerne, ehe ich das Werk zum Druck gebe, eine Probe davon machen. Zu diesem Zweck müssten die Stimmen unter meiner Oberaufsicht hier hergestellt werden. Ich lasse darum den Herrn Direktor bitten, mich dazu zu ermächtigen und den Betrag hiefür nach Fertigstellung anzuweisen. Was es kosten wird, weiss ich nicht. Die Partitur hat cirka 100 Seiten. Es sind sieben Instrumente (darunter Klavier), sehr viele 32-tel und 64-tel Noten, also eine chere[!] und umfangreiche Arbeit. Aber man braucht ja die Stimmen ohnedies für den Stich, so ist also nicht viel dabei verloren.
Bitte um baldige Antwort. Mit den besten Grüssen, Ihr
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