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Date from letter: 1923.08.18 Filing Element: 1923.08.18
ID: 924
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B009240
From
Name: Schönberg, Arnold
Address: Villa Spaun (aka Villa Roner), Traunkirchen 3, Österreich
City: Traunkirchen
Country: Österreich
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
Company: Universal-Edition A.G.
First Line: nehmen Sie es, bitte als keine Phrase, wenn ich sa
Description: Recevied by UE: 1923.08.20; answered by UE: 1923.08.20
Language: G, German
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Link to sourceCommentURN / Zitierlink
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typed letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM001272
Version: Final version
Text: Arnold Schönberg
Traunkirchen No. 3
Villa Spaun
Oberoesterr.

Traunkirchen, 18.8.[192]3

UE

Lieber Herr Direktor,
nehmen Sie es, bitte als keine Phrase, wenn ich sage, dass ich schon aus persönlichen Gründen, d.i. aus sympathie und persönlicher Hochschätzung, ja Bewunderung Ihrer Leistungen gerne meine Frieden mit der UE gemacht hätte. Ebenso ist es wirklich aufrichtig gemeint, wenn ich sage, dass mich auch Dankbarkeit an die UE und an Sie bindet. Und trotzdem sehe ich keinen Ausweg, solange Sie Ihr mir rätselhaftes Verhalten mir gegenüber nicht ändern: Sie wissen, was ich an Not, Sorgen, Plagen und Entbehrungen, Zurücksetzungen und Kränkungen mitgemahcht[!] habe; Sie wissen, wie ich meine schönste Zeit und meine beste Kraft dem Broterwerb widmen musste und am Schaffen verhindert war; Sie sehen, dass ich jetz[!] in der Lage wäre, unabhängig und ohne Sorgen zu leben, wenn ich einen nennenswerten Teil der Früchte meiner Arbeit selbst einheimsen dürfte; ich habe Ihnen die Mindestsumme genannt, die ich zur Führung eines solchen Lebens nötig habe; Sie wissen, dass ich mir von andern Verlegern mit Leichtigkeit eine viel höhere verschaffen könnte--und Sie bieten mir die Hälfte; und OHNE GARANTIE! das heisst aber, dass ich wieder nur für den Broterwerb arbeiten und nicht komponieren soll.
Bei aller Bewunderung und Sympathie: das ist unmenschlich!
Eine Kleinigkeit, die aber sehr bezeichnend ist, möchte ich doch noch erwähnen: sie möchten gerne die Jakobsleiter bekommen; aber, trotzdem ich selbst die Kosten tragen wollte, habe Sie mire kein Papier anfertigen lassen wollen auf das ich sie schreiben könnte! Glauben, Sie dass ich das je vergessen kann?
Ich glaube, Sie machen da einen grossen Fehler: Sie rechnen gar nicht meh[!] mehr mit Menschen, nur mehr mit Verlagsnummern! Aber auch Menschen haben einen gewissen Wert! Und vor allem das Bestreben, sich irgendwie zu erhalten! Es ist mir sehr schmerzlich, Ihnen das sagen zu müssen; dass ich dem Himmel danke, der mir meine Handlungsfreiheit wiedergegeben hat; und dass ich darauf, diese zu benützen nur verzichten würde, wenn ein bequemeru[!] meinen reichlichen Leistungen angenehmer reichlicher Lebensunterhalt mir gesichert wäre. Gerne würde ich mit Ihnen anders als in der sprache kriegführender Diplomaten reden. Aber ich sehe keinen Ausweg und Sie wollen diesen einzigmöglichen, den Sie sehen nicht betreten. Ich verlange je von Ihnen kein Opfer; aber is bin auch durchaus nicht gesonnen eines zu bringen: ich habe lange genug geopfert!
Ich wäre gerne für eine mündliche Auseinandersetzung; aber leider haben Sie in der letzten Zeit die Uebung gehabt bei der schriftliche Formulierung immer wieder alles zurückzuziehen um was man sich stundenlang gerauft hat. Ich bin dieser Kämpfe auch wirklich müede[!]. Nicht nur um meine Zeit ist es schade, sondern auch um die Ihre, der Sie ja wirklich in derselben Zeit etwas wertvolleres zu leisten imstande wären!
Sie sehen, dass ich sehr schätze und Ihnen persönlich wirklich freundschaftlichtlich[!] gesinnt bin; aber ich muss es sagen: Seit dem Drieg lasssen[!] Sie es vollkommen an Menschlichkeit fehlen!
Wenn Sie eien[!] Ausweg wissen, sollen Sie mich gerne zum Frieden bereit finden; aber: ich opfere nichts mehr!

Viele herzliche Grüsse Ihr
 
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