| Denk[mäler] 307
Herr Prof. Lach
(aus der Wiener Universität für Musikgeschichte)
P.T. Redaktion des Anbruch
Im Juni- Juli, Heft citieren Sie eine Äusserung des Professor Lach und glossieren sie in so massvoller Form, dass ich Ihre Anständigkeit nicht genug loben kann. Dennoch aber meine ich, dass man einem Gegner besser Achtung, die ihm gebührt, bezeugen kann: Indem man den Gegensatz zwischen sich und ihm deutlich, rücksichtslos deutlich macht, zeigt man ihm, wer er ist; alle können es dann sehen und sich entscheiden.
Lassen Sie bitte mich das besorgen, so will ich gerne versprechen relativ ebenso massvoll zu bleiben.
Vor allem eine Entschuldigung des Herrn Professors: es ist nicht so wie Sie schreiben, dass er "über die neue Musik nichts anderes zu sagen weiss!" Denn etwas anderes zu sagen weiss er, nur das was er sagen will, kann er nicht sagen. Er sagt immer etwas anderes, als er weiss. Z. Bsp. Zeile 1- "Die letzten Dezenien des 19. Jahrhunderts... Seither beginnt... bis Seite 339 oben Zeile 4... angestürmt wird" soll doch wohl heissen "...bedeuten eine Hochblüte des... Musiklebens. Danach begann" (also etwa 1898 oder 1902) "eine Zeit des Experimentierens... seinen Ausdruck fand. Die Anarchie und der Mangel... seit dem Zusammenbruch" (1918) "zum Ausdruck gekommen sind, waren vorher (1898 oder 1902) schon auf musikalischem Gebiete in Erscheinung getreten, insofern etc....
Trotzdem dem Herrn Professor hier offenbar der Überblick über die Zeiten gefehlt hat, glaube ich doch nicht, dass da sein Hauptmangel liegt. Ich glaube, in diesem Fall wenigstens hat ihm mehr der Überblick über die Zeilen gefehlt, über die paar Zeilen, die er zwanzig Jahren des Wirkens von Dilenttanten widmet, deren Namen er nicht nennt, weil sie "nicht einmal musikalisch orthographisch zu schreiben im stande sind"... wie würden die sich erst blamieren, wenn sie 20 Zeilen überblicken müssen, was selbst für den Herrn Professor schwer ist.
Man wird vielleicht erkennen, dass der Schreiber dieser Zeilen nicht zu jenen gehört, denen der Respekt vor der Autorität fehlt. Er glaubt sogar darüber- hinaus versichern zu können, dass er ihn für alle Zeiten--alles zu seiner Zeit--bewahren und dass kein Zusammenbruch, auch in den fernsten Zeiten nicht, bewirken könne, dass er ihn je verlieren werde, weder vorher noch nachher, gleichzeitig oder wie sonst das Durcheinander dann gennant werden mag. Und eben wegen dieses Respekt vor dem wahren Verdienst überliesse er es lieber einem der gerügten, namenlosen Dilettanten (die nicht musikalisch orthographisch zu schreiben imstande sind) den Herrn Professor gegen einen andern seiner Fehler in Schutz zu nehmen. In diesem zweiten Falle nämlich verdient Herr Professor Lach nicht bloss Nachsicht sondern wirklich Schutz. Denn sein Fehler ist die Bescheidenheit und diese Anlagen sind dem Schutze des Publikums empfohlen.
Zweifellos ist nämlich der Name des Herrn Professors Lach nicht nur geachtet, sondern auch geschätzt. Und nur dem Schutze des Publikums empfohlene Anlagen, wie Bescheidenheit, vermögen es zu erklären, dass er diesen Namen zu wenig schätzt, ja einen besseren wünscht.
Das geht wenigstens aus diesen Sätzen hervor:
"Umso mehr muss man sich freuen... es sei hier an Namen wie ... erinnert! Solange wir diese unser nennen dürfen, braucht uns nicht bange zu sein....
Er nennt also diese Namen sein? Nennt er also nicht den Namen Lach sein? Aus Bescheidenheit? Will er ihn etwa nicht zum Falschen und Eitlen ausgesprochen haben? Der Herr Professor kann sicherlich musikalisch orthographisch schreiben. Wenn es ihn aber Überwindung kostet, seine Sätze so oft zu lesen, bis er die wichtigsten Schnitzer entdeckt hat, so ist ihm das nicht zu verargen. Denn uns geht es geradeso: ich habe mich zwar überwunden, sie mehreremale zu lesen, aber werde das Gefühl noch nicht alle Schnitzer gefunden zu haben, nicht los.
|