Letters Details
| Date from letter: | 1912.08.19 Filing Element: 1912.08.19 ID: 6512 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| URN: | https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B065121 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| First Line: | Die Fragen Ihres Briefes vom 12./8. beantwortend. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Language: | G, German | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Version: | Final version | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Text: | Die Fragen Ihres Briefes vom 12./8 beantwortend. [...] Ich habe bei der Composition (vor 10 Jahren) eine Übersetzung von Prof. Arnold benützt [...] die in mancher Hinsicht von der bei Fischer erschienenen verbesserten abweicht [...] Als nun vor circa 3 Jahren der erste Teil der Gurrelieder vorgeführt wurde, schrieb mir nach dem Concert Prof. Arnold, ich möge [...] die Verbesserungen berücksichtigen [...] (ich) mußte ablehnen. Denn vor allem schienen mir die Verbesserungen absolut genommen, keine Verbesserungen [...] Größtenteils ist die erste Fassung natürlicher, einfacher. Dann aber, und das entscheidet: es ergaben sich rhythmyische Änderungen, die wenn ich meine Melodie demnach zurechtschneidern wollte, absolut die Einheitlichkeit des dortstehenden musikalischen Gedankens stören würde. Wer meine Art der Textbehandlung kennt, weiß, daß es für den Bau meiner Melodie absolut nicht gleichgültig ist, ob eine Silbe mehr oder weniger da ist und ob ein starkbetontes Hauptwort an der oder jener Stelle steht [...] Meiner Arbeit liegt also die erste Fassung zugrunde [...] Im März 1900 habe ich den I. und II. Teil und vieles aus dem III. Teil komponiert. Darauf lange Pause, ausgefüllt mit Operetteninstrumentation. März (also anfangs) 1901 Rest vollendet! Dann Instrumentation im August 1901 begonnen [...] in Berlin Mitte 1902 fortgesetzt. Dan große Unterbrechung wegen Operetteninstrumentationen. 1903 zuletzt daran gearbeitet [...] Daraufhin liegen gelassen und ganz aufgegeben! Wieder aufgenommen Juli 1910. Alles instrumentiert bis aud den Schlußchor, den vollendet in Zehlendorf 1911. [...] Lassen Sie die Partitur der Gurrelieder drucken. Eventuell so wie Sie wollten: fotografisch. Es ist eine so große Sorge für mich, daß diese Partitur verloren gehen könnte und ich weiß wirklich nicht, wie Sie mir einen solchen Schaden ersetzen könnten. Ich kann die Sache keinesfalls wiederherstellen. Und der Schaden ich ncht nur ein materieller [...] Den noch größer als der Schaden, den ich durch die ausbleibenden Aufführungen und Verkäufe erlitte, ist der, den der Verlust eines so großen Erfolges, wie ich ihn für die Gurrelieder erwarte, für meine anderen Werke bedeutet. Ich bin sicher, daß dieser Erfolg der Verbreitung meiner anderen Werke sehr nützen wird [...] Dieses Werk ist der Schlüssel zu meiner ganzen Entwicklung. Es zeigt mich von Seiten, von denen ich mich später nicht mehr zeige oder doch auf einer andern Basis. Es erklärt, wie alles später so kommen mußte und das ist für mein Werk enorm wichtig: daß man den Menschen und seine Entwicklung von hier aus verfolgen kann [...] | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||