| 28.II 1939
An die Universal Edition, A.G.
I. Karlsplatz 6
Wien
Sehr geehrte Herren,
ich kann augenblicklich meine Notizen über nicht verrechnete Aufführungen im Augenblick unter meinen Papieren nicht finden und es wird einige Zeit dauern, bis ich dazu komme, sie zu suchen. Ich kann Ihnen daher, aus dem Gedächtnis nur ein paar Daten geben, aber die sind bezeichnend.
Ich habe vor fuenf Jahren (im Februar 1935) in San Francisco selbst dirigiert
Kammersymphony und
Pierrot lunaire.
Für diese Werke hat den Verein $50 an Ass. Publishers bezahlt.
Ich habe Pelleas und Melisande dirigiert in
San Francisco und(1937 oder 1938)
Los Angeles.
Bach Präludium und Fuge in
Los Angeles 3-mal in Chicago 2mal
San Diego 1-mal in Boston 2 mal
Verklaerte Nacht in
Los Angeles 3-mal in Chicago 2-mal
San Diego 1-mal in Boston 2-mal.
Kammersymphonie in
Los Angeles 1-mal
Klemperer hat Verklaerte Nacht in Los Angeles 2-mal gespielt, ausserdem "Lied der Waltaube".
Ich will nicht andere Auffuehrungen deren Daten ich vergessen habe, aus dem Gedaechtnis erwähnen, aber ich weiss auch da eine erklekliche Anzahl-darunter Aufführungen bei denen ich anwesend war und mich verbeugt habe oder solche über welche mir Zeitungsausschnitte zugesendet wurden.
Ich erinnere mich eben an Auffü[h]rungen des B[!]
Bläser quintetts und des 3. Streichquartetts in Los Angeles.
Ich selbst bei Aufführungen bei denen ich anwesend war somit keine Verrechnung erhalten habe, so muss ich bezweifeln, dass Associated Publishers Ihnen alle Aufführungen meldet. Und ich muss den Schluss ziehen, dass es sich um eine weit groessere Anzahl von Aufführungen und Verkäufen handelt, als ich ahne.
Ich waere Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dieser Angelegenheit nachgehen wollten.
Bei dieser Gelegenheit muss ich noch einmal auf einen Streitpunkt zurusckkommen[!], den ich bereits wiederholt muendlich (und wenn ich nic[h]t irre, auch schriftlich) erwaehnt habe. Er betrifft meine Tantiemen aus amerikanischen Verkauefen und Aufführungen. Und da ich annehme, dass Sie die Taktik der früheren Verwaltung nicht Ihrem Namen werden decken wollen, so scheint mir nun der Zeitpunkt gekommen, diesen Punkt wieder aufzunehmen.
In meinem Vertrag ist festgesetzt, dass meine Anteile bei Verkäufen Perzente vom Ladenpreis und bei Materialien, Perzente von wirklich bezahlten Leihbetrag zu sein haben. Ich kann es nicht hinnehmen, dass mir für amerikanische Aufführungen, wenn Leihgebuehren zwischen $25 und $100 bezahlt worden sind, Tantiemen im Betrage von 2-4 Dollars zugewiesen werden. Ich bitte dringendst diese Frage einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.
Ein dritter Punkt betrifft meine Erträgnisse aus den beiden (widerrechtlichen) [R}ekordierungen der "Verklärten Nacht" und der "Gurrelieder". Ich habe nun in Erfahrung gebracht, dass
von Verkl. Nacht1400 Albums und
" Gurreliedern 400 Albums
verkauft sind.
Meine Anteile aus diesen Verkäufen sollten betragen:
½ von 12½% von 140 mal $6 von Verkl. Nacht
2 " " 400 " $24 " Gurreliedern.
Bitte wollen Sie freundlichst meine Abrechnungen durchsehen und veranlassen, dass Associated Publishers mir die Differenz bezahlt, nachdem sie mir ornungsgemäss verrechnet hat.
Es tut mir leid, dass ich Ihnen mit beschwerden kommen muss, die zu Lasten der früheren Verwaltung fallen, aber ich kann nicht verschweigen, dass ich beabsichtige, geeignete Schriffte gegen Associated Publishers zu unternehmen.
Ich sehe Ihren freundlichen Nachrichten über diese Angelegenheiten mit grossem Interesse entgegen und empfehle mich hochachtungsvoll
Arnold Schoenberg
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