| 21/10.1912
Lieber Herr Direktor,
ich kann Ihnen die angenehme Mitteilung machen, daß Peters die Orchesterstücke erworben hat. Das Honorar ist zwar wesentlich niedriger ausgefallen, als ich es mir vorgestellt habe. Aber aus unserer Unterredung am Mittwoch habe ich zweierlei entnommen:
I. daß Sie wirklich nicht in der Lage sind, diese Sachen alle in absehbarer Zeit herauszubringen und deshalb auch nicht sonderlich darauf reflektieren.
II. Aber, so schien es mir, legten Sie selbst dem großen Wert (nicht nur für mich, sondern auch für die Univers.Edition) bei, daß es einen günstigen Eindruck machen werde, wenn noch ein großer Verlag sich für meine Werke interessiert. Und insbesondere dieses letztere, bestimmte mich, Peters Vorschläge sofort anzunehmen.
Nun möchte ich aber doch wissen, wie Sie sich zu den anderen Werken stellen. Und ich muß, [!] das rasch wissen, denn ich möchte unbedingt alles so rasch wie möglich gedruckt haben. Deshalb frage ich Sie und bitte Sie um schleunige und klare Antwort: Welche der übrigbleibenden fünf Werke wollen Sie haben. Meine Bedingungen sind nur die unseres Vertrages, nämlich:
I. daß Sie die betreffenden Werke jetzt gleich erwerben.
II. daß mir der vertragsmäßige Honorar-Vorschuß (10%) vor[?] den ersten 300 Exemplaren) gleich bar ausgezahlt wird.
III. daß Sie sich verpflichten, die Werke in angemessener Zeit herauszubringen (wobei die Gurre-Lieder aber nicht zurückgestellt werden dürfen). Kammersinfonie und George-Lieder müßten noch 1912 erscheinen Chor bis Frühjahr 1913, die beiden übrigbleibenden: Balladen und Lieder bis Frühjahr 1914.
Bitte schreiben Sie mir nun umgehend. - Ich habe nichts dagegen, wenn Sie nur einige oder eines der Werke erwerben, aber dann müssen die Drucktermine entsprechend geändert werden.
Als Honorarvorschüsse berechne ich
für die Kammersinfonie (die in Partitur erscheinen muß), die cirka
25(?) Druckseiten haben dürfte 600 Mark
für die George Lieder: 240 "
" den Chor 90 "
" die Balladen 150 "
" " 3 Lieder 100 "
zusammen 1180 Mark. Wenn Sie aber alle fünf annehmen begnüge ich mich mit 1000 Mark.
Bitte antworten Sie gleich. Herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
|