| 13. Mörz[!] 1936
An die Universal Edition
Herrn Direktor Dr. Kalmus
Wien I. Karlsplatz 6
Lieber Herr Dr. Kalmus,
ich bestätige mein heutiges Telegramm, in welchem ich mitteilte, dass ich Bergs Materiale zurücksenden musste, weil nach meiner festen Ueberzeugung ein Jahr zur Fertigstellung der Instrumentation erforderlich ist. Ich kann nicht annehmen, dass Sie auf eine so weitgehende Verschiebung des Aufführungstermines hätten eingehen können, da es doch im Interesse Frau Bergs liegt, möglichst bald Einkünfte davon zu beziehen. Und ich kann nicht einmal sage, dass ich diesen Termin hätte einhalten können, da ich hier oft sehr mit Arbeit überhäuft bin und vielfach ausserdem durch Störungen belästigt werde. Aber ich schätze, dass Berg, dessen Arbeitstempo eher langsamer war, als das meinige, nur dann kürzere Zeit dafür benötigt hätte, wenn er gerade nichts für den Broterwerb zu tun gehabt hätte. Ich hätte ja gewiss mein Möglichstes getan, aber ich konnte, angesichts eines Termines, den ich keinesfalls so früh erwartet hätte, die Verantwortung einer Verschiebung nicht auf mich nehmen. Es tut mir sehr leid, dass nun doch eine bedeutende Verzögerung eintritt. Aber ich glaube daran unschuldig zu sein.
Denn:
Nachdem ich anfangs Februar den Brief vom 14. Januar, von Helene Berg erhielt, erwartete ich mit zunehmender Nervosität täglich die Vorlagen zu bekommen.
Die trafen erst am 9. März, mit einer Verspätung von fünf Wochen ein, welche ich nicht verstehen kann, da ja Photokopien in wenigen Stunden fertig gestellt werden.
Aus den Vorlagen entnahm ich, dass die Schwierigkeiten weit grössere und andere sind, als ich erwarten konnte. Ueber das schrieb ich ausführlich an Herrn Stein, der Ihnen alles erklären wird. Schliesslich erkannte ich, dass ich nicht drei Monate, wie ich vorausgesetzt hatte, sondern ein Jahr benötige, um das zu vollenden, da ich ja doch auch beruflich beschäftigt bin. Obwohl ich bereit war auf eigenes Schaffen während eines gewissen Zeitraumes zu verzichten, so war ich doch überzeugt, Frau Berg diese Verzögerung nicht zumuten zu können. So hätten also kostspielige Telegramme hin und her wohl kein anderes Resultat herbeiführen können, als dass ein anderer nun die Fertigstellung übernehmen muss und ich hielt es somit für das Richtigste, die Materiale schleunigst zurückzusenden. Dasselbe werde ich tun, wenn die Photokopien der beiden ersten Akte einterffen, die ja auf alle Fälle für mich zu spät abgesandt wurden, was mich auch sehr behindert haben würde.
Ich hoffe, der Mann der nun die Fertigstellung übernimmt, wird den Termin einhalten können und versichere Ihnen, dass es mir sehr leid tut, einen Entschluss fassen haben zu müssen, der Berg einen Liebesdienst verweigert, den ich ihm unter anderen Umständen gerne und sicher erwiesen hätte.
Mit beste Grüssen, Ihr
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