| 18.I.1934
PT UE
Abteilung Orchestermuskk
(Sind Sie das Herr Stein?)
[Li]eber Herr Stein
Eben war Herr Kapellmeister Fiedler, Boston, bei mir, der am 12.II. die erste amerikanische Aufführung (Sie würden sagen: die Uraufführung, in Deutschland aber wo man es voller nimmt, bloss um es mehr aufreissen zu dürfen, wenn auch man in den Mund bloss von der Hand lebt, dort, also würde man sagen: amerikanische Welturaufführung) meiner Kammersymphonie dirigiert (sie ist 1906 komponiert und dank der liebevollen Tätigkeit des Herrn Direktor Her[t]zka ein recht spätes Mädchen mit ihren 28 Jahren!). Aber das alles sind Scherze, ernst ist nur, was jetzt kommt: Herr Fiedler ist in grösster Verlegenheit: da nämlich die Partitur (verbesserte Ausgabe) nicht mit den Stimmen übereinstimmt (diese sind später erst korrigiert worden) hat er sich die Philharmonia-Partitur gekauft und das führte zur Katastrophe. Denn diese Ausgabe stimmt zwar mit den Stimmen überein, aber er meint, dass sich diese Partitur auf ein anderes Werk oder eine andere Ausgabe beziehen müsse, da obwohl sie zwar mit den Stimmen vollkommen übereinstimmt; aber, während die Stimmen unzweifelhaft und fehlerfrei in E-dur seien (und darin ebenfalls mit der Ph.-Ausg. übereinstimmen) stehe auf dem Titel so ausdrücklich und in drei Sprachen Kammersymphonie in Es-Dur, dass die Annahme nicht von der Hand zu weisen sei, dass es sich um irgendeine andere Ausgabe handlen müsse. Er weiss nun nicht, was er tun solle. Da es nur zwei Möglichkeiten gibt (deren eine meines Erachtens ein Schwindel wäre; nämlich aufs Programm einfach keine tonart, oder brutal E-Dur zu drucken) so habe ich ihm geraten, alle Stimmen einfach nach Es-Dur transponieren zu lassen, was allerdings viel Geld kosten wird. Was is Ihre Meinung darüber, Herr Stein? Fragen Sie vielleicht einmal Herrn Ratz, und antworten Sie mir bald: Sie sind mir ohnedies noch eine Antwort schuldig. Mit herzlichsten Grüssen, Ihr
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