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Letters Details


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Date from letter: [1932].??.?? Filing Element: 1932.00.00
ID: 2180
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B021809
From
Name: Schönberg, Arnold
To
Name: Jacoby, Gerhard
Title: Dr., [Rechtsanwalt]
First Line: Ich beantworte den Brief der UE hiemit Zeile um Ze
Language: G, German
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VersionFormatfolSourceLocation in source
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Final versionprinted (2p.)2p.GA Reihe B/Band 16,3p. 285-286 (partial)

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Version: Final version
Text: Dr Jacoby,
Ich beantworte den Brief der UE hiemit Zeile um Zeile, also, wie man fast sagen könnte: Unwahreit um Umwahrheit:
ProtesteEs ist unwahr, dass ich mich mit Protesten an Stockowski gewendet habe, sondern ich habe ihn ersucht, mir die Verabredung mitzuteilen, die er mit der UE getroffen hat, damit ich, durch ihn unterstützt, meine Rechte wahren kann.
AufführungstörenIch habe niemals gedroht etwas gegen die Aufführung zu unternehmen. Aber scheinbar hat man es befürchtet, weil es mein gutes Recht gewesen wäre.
schwerste SchadenWie schwer mein Schadne ist, können Sie kann man ja aus dem Angebot der UE entnehmen: 3/5 des angeblich bezahlten Betrages, will sie mir "gutschreiben" aber widerrechtlich nicht auszahlen.
Wie hoch aber der Schaden der Univ. Ed. gewesen wäre, das ist es ja eben, was ich zu meinem Nutzen gerne erfahren möchte!!!
Die Darstellung des angeblichen Ursprungs meines Rechtsanspruchs verliert sich in Nebensächlichkeiten und sucht durch Schmus, Poesie und "Historie" ueber den wahren Sachverhalt zu täuschen.
In Wirklichkeit:ist das kein mir zufällig gegebenes Versprechen der UE. Sondern: Als ich einer zufälligen (aber doch beständigen!) Geldnot, die der UE zufällig (aber doch stets bekannt war), 1911 gegen ein zufälligen (aber darum nicht minder geringen) Honorarvorschuss von fünfhundert Kronen (425 Mark) die Verpflichtung übernahm, die Gurreliederpartitur fertigzuinstrumentieren (was etwa sechs Monate Arbeit kostete) gab mir die UE in wohl bloss zufälliger Noblesse auf meinen Wunsch (der ich an die GL grosse Hoffnungen knüpfte (inzwischen durch die UE enttäuschte) die Zustimmung zu meiner Forderung, dass ich die amerikanische Erstaufführung dirigieren werde!!!
Ueber den Ruf des Herrn Her[t]zka sind Sie wohl selbst zur Genüge informiert, so dass ich auf die Unwahrscheinlichkeit, dass Herr Her[t]zka aus freien Stücken mir ein solches Recht abtreten werde, wohl nicht hinweisen müsste.
Zum Ueberfluss aber ergibt sich dieser Umstand aus der Tatsache, dass diese Teilung der von Her[t]zka genannten von 5000 Dollar nach dem Schlüssel 3:2 keineswegs friedlich erfolgte, sondern mir von Her[t]zka auf folgende Weise erpresst wurde: Ich wusste von Gustav Mahler und anderen, welche Honorare Amerika in ähnlichen Fällen gezahlt werde, wusste, dass ich, wenn ich selbst hinfahre, wenigstens 15 bis 20.000 Dollar mit nachhause bringen könnte. Darum und weil vielleicht nicht bald Aussicht hinüberzukommen bestand, ermässigte ich meine Ansprüche auf eine erreichbare Summe. Hier setzte nun Her[t]zka Daumschrauben an: Von dieser Summe, welche rein eine Entschädigung für meinen Verzicht sein sollte begehrte er 2/5 Anteil, worin er allerdings um die Erpressung zu bemänteln seine Materialansprüche eingerechnet sehen wollte. Ich werde aber nun zu beweisen haben, dass wohl seine Materialansprüche in dieser Höhe phatastisch waren, nicht aber meine Dirigieransprüche (Darauf komme ich später zu reden: gelegentlich Stockowskis Angebot: 10 Gurreliederaufführungen à 1000 Dollar und 20 Pierrotaufführungen à 400 Dollar im Jahre 1921 zu dirigieren).
Aus diesem Hergang ergibt sich wohl zweifellos, dass Her[t]zkas Zusage weder zufällig, noch erst damals gegeben wurde: ein Umstand der übrigens wohl nebensächlich ist, da ja die Hauptsache: die Zusage unbestritten bleibt.
Bei dieser Gegenheit sei überigens[!] gleich gesagt: Heute würde ich für eine solche Abtretung ganz gewiss eine weit höhere Summe fordern!!!
Ich muss weiteren belenglosen Schmus Her[t]zkas nun doch übergehn. Und komme jetzt zu seinen "Bemühungen" meine Ansprüche in Amerika durchzusetzen.
Ob Her[t]zka 1920 in Amerika war, weiss ich nicht, ist es nicht in Erinnerung. Dagegen erfolgte damals Stockowskis Angebot. Und zwar 1920 traf ich Stockowski in Amsterdam beim Mahlerfest, nach dessen Schluss sowohl er als ich nach Wien reisten, ich, um die Gurrelieder in der Wiener Oper zu dirigieren, Stockowski, um die Aufführung anzuhören. Bei dieser Gelegenheit machte mir Stockowski, das vorhin genannte, später schriftlich wiederholte Angebot. Aus der Sache wurde wegen einer damals einsetzenden ersten amerikanischen Krise zunächst nichts.
Was Her[t]zka von 1924 erzählt, ist mindestens, soweit es sich auf Bodansky bezieht unwahr. Ich habe eine Abtretung an diesen absolut abgeleh[n]t und besitze einen komischen Brief der reichen Amerikanerin Frau Lanier in dieser Angelegenheit. An die Sache aber mit dem Fond, den Stockowski, Stock, Bodanksi und Gabrilowitsch aufbringen sollten, kann ich mich nicht erinnern, bezweifle vor Allem, dass ein solcher Vorschlag von mir stammt, und bin sicher, dass er mit dem Bodansky-Project nicht in Zusammenhang steht. Wenn Her[t]zka sich bemüht hat, etwas derartiges durchzusetzen, so hat er dabei ohne Zweifel an sich gedacht und nicht an mich (der ich durch zwei Zeugen Fälle beweisen kann, in denen er ohne Grund mir Enga[g]ements verdorben hat, indem er vorgeschlagen hat, mir "die Hälfte" anzubieten. Wer weiss, was Herr Her[t]zka damals und immer in solchen Füllen für sich oder für seinen Verlag hat durchsetzen wollen, da er ja nicht aufhört "kopplverträge" zu machen!!! Wie ich aus meiner letzten Abrechnung beweisen werde.
Wenn sich 1931 für die notleidende UE die teure Reise nach Amerika gelohnt hat, so wird wohl die Abmachung über die Gurrelieder, die Herr Her[t]zka dabei getroffen hat, einen beträchtlichen Teil dieses Lohnes betragen haben. Und da ist wohl der Grund, warum mir Herr Stockowski keine Auskunft über die Abmachung mit Herrn Her[t]zka geben darf: es ist ihm verboten, weil ich die Höhe der Abfindung nicht erfahren soll.
Ich hatte Herr Stockowski telegrafisch als Mensch und Künstler aufgefordert, mir diese Abmachung mitzuteilen. Als Mensch und Künstler hat er mich an die UE gewiesen und deckt sie. Ich aber werde nun durch amerikanische Bekannte, die über den Vorgang empört sind (auch St. hat Gegner!) die Sache der amerikanischen Oeffentlichkeit übergeben lassen, die erfahren soll, wie Herr St als Mensch und Künstler denkt. Das wird unabhängig von meinem Streit mit der UE geschehen und soll nur eine gerechte Strafe herbeiführen!!
Sonst ist ja zu dem Brief der UE weiter nichts zu sagen, da sie ja zugiebt, über mein Recht, ohne mich befragt zu haben, verfügt zu haben. Mein Anspruch (sind Sie der Meinung, dass ich mehr als 5000 Dollar durchsetzen kann, so bitte ich mehr zu beansprüchen: der Schade ist gross genug; denn ich hätte bis zum Wiedereintritt besserer Zeiten warten können, da ich ja nicht pleite bin, wie die UE. Mein Anspruch also bleibt aufrecht und ich bitte Sie, wenn Sie meiner Meinung sind, weiteres zu veranlassen.
Nur eines noch: selbst wenn die UE mir das Recht zufällig (wie tut man das? juristisch?) gegeben haben sollte, so hätte ich ihr doch das Verlagsrecht ebenso zufällig gegeben. Und dieses liegt nicht bloss 16 [...] die Herr Her[t]zka in "Abschrift" vorlegt, halte ich für belanglos. Denn sogar aus diesen geht ja schon hervor, dass er nicht alles vorlegt (wie Z.B. den Brief vom 5.VII.1931 zu dem ein Brief vom 8.XII.1931 ein Nachtrag sein soll).
Ich halte es für notwendig, Her[t]zka zu erklären, dass die Abmachung, die er getroffen hat, für uns nicht bindend ist, dass ich zwar Anspruch darauf erhebe, aber meinen Hauptanspruch unabhängig davon wie vorstehend erheben werde. Meinen Sie nicht? Denn es besteht die Gefahr, dass die Philadelphiagesellschaft Her[t]zka deckt und wir den gezahlten Betrag nicht erfahren. Dass man uns also einen Bruchteil angiebt.
Ich bitte Sie, mir eventuell Verhaltungsmassregeln zu geben und ein Wort darüber zu sagen, ob die mit meinen Ausführungen einverstanden sind. Ich werde übrigens anfangs Mai wieder in Berlin sein.
Mit besten Grüssen, bin ich Ihr

NB. Sie erwähnen gar nicht, meinen Eberle Prozess, der doch am 15. sein soll!!
 
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