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Date from letter: 1914.03.23 Filing Element: 1914.03.23
ID: 17524
URN: https://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-B175240
From
Name: Hertzka, Emil
Company: Universal-Edition A.G.
Address: Reichsratsstraße 9, c/o Universal Edition, Wien I, Österreich
City: Wien
Country: Österreich
To
Name: Schönberg, Arnold
Title: Herr
Address: Berliner Straße 17a, Berlin-Südende, Deutschland
City: Berlin
Country: Deutschland
First Line: I.) Eben erhalte ich die Partitur Ihrer Kammersymp
Language: G, German
Transcribed
VersionFormatfolSourceLocation in source
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Final versionscan (6f.)6f.ASCLC111
Final versionprinted (5p.)2p., 1p., 1p., 1p.GA Reihe B/Band 16,3p. 96-97, 121, 213, 219 (partial)
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Final versiontranscription (partial)1p.GA Reihe B/Band 11,4p. 104 (partial)
Final versiontranscription (partial)1p.GA Reihe B/Band 11,4p. 106 (partial)

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typed letterhttps://repo.schoenberg.at/urn:nbn:at:at-asc-BM145945
Version: Final version
Text:

W
Wien 23. März 1914.
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Berlin

Sehr geehrter Herr Schönberg !
I.) Eben erhalte ich die Partitur Ihrer Kammersymphonie mit den neuen Retouchen. Das ist allerdings eine traurige Ueberraschung und es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sofort nicht nur die Partitur auf Grund der Retouchen neu herstellen zu lassen, sondern auch die ganzen Stimmen vollkommen neu autographieren und drucken zu lassen. Das ist eine Arbeit, die bei sparsamer Taxierung, mindestens 1000 Mark Kosten verursacht. Abgesehen davon, wollen Sie noch eine Partitur eigens für Orchesteraufführungen einrichten. Da werden dann natürlich wieder Stimmen-Eintragungen gemacht werden müssen, was ja mit Hinblick darauf, dass bei Orchesteraufführungen immer eine grosse Anzahl von Doubletten notwendig ist, wieder ausserordentlich zeitraubend und kostspielig ist. Wann und wie diese Spesen hereinkommen sollen, ist mir allerdings rätselhaft.
Ehe ich nun aber die Partitur in die Stecherei gebe, möchte ich unbedingt ein Partitur-Exemplar besitzen, in welchem Sie die Partitur für die Orchester-Ausgabe einrichten, denn ich halte die ganze Idee, zwei Ausgaben herzustellen, für sehr gefährlich. Viel richtiger erscheint mir, wenn man sowohl in der Partitur, als auch in den Streichern die Veränderungen zwischen der Kammermusik- und der Orchesterausgabe in irgend einer Weise ersichtlich macht, so dass es dem Dirigenten möglich wird, dasselbe Material für beide Ausgaben zu verwenden.
So sehr ich es auch einsehe, dass es für das Werk ausserordentlich wichtig ist, wenn Verbesserungen, wann immer es auch sei, vorgenommen werden, so finde ich nicht, dass es ganz gerecht ist, wenn die ganz grossen Kosten derartiger Veränderungen und Verbesserungen vom Verlag allein getragen werden. Bei jedem anderen Komponisten würde ich es ohne weiteres ablehnen, derartige kolossale Nachtragsspesen zu übernehmen; Ihnen gegenüber will ich mich nur darauf beschränken, den prinzipiellen Standpunkt darzulegen.
Es ist noch ein Glück, dass wir keine Studienpartitur der Kammersymphonie anfertigen liessen, sonst wäre auch diese jetzt wertlos geworden und hätte eingestampft werden können.
Ihr Vorschlag, die Partitur in zwei Formaten und Preislagen herauszugeben, erscheint mir nicht praktisch. Der Umfang der Studienpartitur wird dadurch verdoppelt, also statt 56 Seiten 112 Seiten ausmachen und das Format trotzdem nicht besonders handlich. Da ist schon die Verkleinerung unbedingt zweckmässiger und ich will, nachdem Sie mir die schriftliche Garantie bieten, dass ich in einem Jahre davon wenigstens 1000 Exemplare absetzen werde, sobald die definitive Fassung der Orchester- und Kammermusik-Ausgabe vorliegt, die Herausgabe vornehmen.
Schreiben Sie mir bitte sofort, ob Sie die Orchesterfassung in das mir eingesandte Manuskript eintragen wollen oder ob Sie dies erst dann tun können, bis Sie einen Korrekturabzug der „verbesserten Ausgabe“ erhalten haben werden.
Ein Umtausch der Partituren allein, hätte gar keinen Zweck. Wenn an einen Austausch überhaupt mit praktischem Werth gedacht werden kann, so müssten die Orchestermateriale allen Orchesterleitern die das Werk erworben haben, umgetauscht werden. An eine Aufzahlung ist dabei nicht zu denken.
Ich behalte mir vor, auf diese Sache zurückzukommen, sobald die verbesserte Auflage in Partitur und Stimmen vorliegt. Ein Verzeichnis der Veränderungen in Partitur und Stimmen den Orchesterleitern zu liefern, ist bei dem kolossalen Umfang der Aenderungen unpraktisch, denn es wird sich niemand dazu entschliessen, die Veränderungen in das Material auf eigene Kosten eintragen zu lassen.
II). Was „Pierrot lunaire“ betrifft, so kann ich an die Herstellung der Stimmen erst dann gehen, bis das Aufführungs-Monopol der Frau Zehme einen Verkauf ermöglicht. Vorläufig hätte es gar keinen Zweck, Stimmen herauszugeben, da ich sie ja nicht verkaufen darf. Wegen dieses Aufführungsmonopols erbitte ich mir auch Ihre positiven Mitteilungen. Es werden ja zweifellos, sobald die Partitur im Druck erscheint, Anfragen wegen der Stimmen einlangen und ich kann nicht in jedem einzelnen Fall bei Frau Zehme erst um event. Erlaubnis anfragen, sondern muss dem Rechtsstandpunkt gemäss, mitteilen, dass ein Aufführungsrecht und Aufführungsmaterial derzeit nicht abgegeben werden kann.
Von Ihrem Widmungsvermerk der Pierrot-Partitur, habe ich mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis genommen.
Das Erscheinungsdatum der Partitur kann ich auch nicht annähernd angehen, da ich nicht weiss, wie gross die Korrekturen die Sie vorgenommen haben, sind und da ich mir darüber auch noch nicht ganz schlüssig bin, ob nicht noch eine letzte Korrektur dieses komplizierten Werkes vor Drucklegung durch Wöss vorgenommen werden sollte. Wenn dies wünschenswert oder notwendig wäre, dann würde allerdings die Herstellung wieder um mehrere Tage verzögert werden, denn Herr von Wöss arbeitet recht gewissenhaft und hat auch andere Arbeiten, die er nicht vollkommen stehen lassen kann. Sollten Sie es für vollkommen überflüssig halten, dass Wöss die Sache nochmals liest, oder dass überhaupt noch eine Korrektur gelesen wird, dann ist ja eine Lieferung innerhalb etwa drei Wochen zu erwarten.
III). In Angelegenheit Ihrer Urgenz bezüglich des Harmonielehre-Briefes, habe ich Ihnen vorgestern ausführlich geschrieben. Ein Brief vom 24. Februar liegt mir nicht vor. Den neuen Vertrag sende ich Ihnen morgen ein und bitte um Unterschrift, worauf Sie das Gegenexemplar erhalten.
IV.) Amsterdam, Gurre-Lieder. Tausend Mark Kaufpreis für das komplette Material, ist absolut zu wenig; dagegen würde ich, weil ich die Wichtigkeit der Amsterdamer Aufführungen einsehe, mich damit einverstanden erklären, dass als Material-Kaufpreis 1200 Mark berechnet werden und dass für die Generalprobe, sowie jede weitere Aufführung, überdies eine Materialgebühr von je 100 Mark bezahlt wird. Dadurch komme ich voraussichtlich auf den in Aussicht genommenen Mindest-Kaufpreis von 1500 Mark. Ich glaube nicht, dass die Mehrforderung von 200 Mark gegenüber der von Ihnen selbst genannten Bedingungen ein Hindernis bedeuten kann. Ich warte jedenfalls ab, bis man aus Amsterdam in der Angelegenheit an mich herantreten wird und werde Sie dann über alles Weitere auf dem Laufenden halten.
V.) Die englische Uebersetzung für London, lässt Wood selbst besorgen und liefert sie mir für die Führer, die ich ganz analog der deutschen Ausgabe, englisch herausgeben will. Eine endgiltige Entscheidung aus London liegt allerdings noch nicht vor. Aber ich hoffe, dass das zustandekommt.
Was das Gurrelieder-Material betrifft, so habe ich wohl die Absicht, die Partitur stechen zu lassen; ob ich diese Absicht jedoch ausführen kann, hängt noch von den Kalkulationen ab, die ich bei meiner Druckerei einholen liess.
Aus ihren Bemerkungen schliesse ich, dass Sie die Partitur in der in Leipzig aufgeführten Form noch immer nicht als die definitive ansehen, da Sie in dieselbe noch Retouchen für die Neuherstellung des Materials machen wollen. Selbstverständlich wäre es ausserordentlich wünschenswert, wenn Sie Einrichtungen treffen könnten, die die Aufführungsmöglichkeit erleichtern. Dieses Werk würde, wie die Oratorien von Bach, Händel oder Beethoven, im Repertoire einer jeden grossen Chor- und Orchesterbereinigung figurieren, wenn seiner Aufführbarkeit unter normalen Umständen, nicht geradezu unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstünden. Es ist bei mir bereits angefragt worden, ob nicht die Absicht bestünde, eine Ausgabe des Werkes für kleiner Chor- und Orchester-Verhältnisse zu schaffen. Ich glaube nun zwar nicht, dass dieser Gegenstand derzeit schon kombinationsreif ist und es ist vorläufig das Wichtigste, dass das Werk in seiner Originalgestalt, im grossen Stile herausgebracht, jene grandiose Wirkung ausübe, die wir schon in Wien und Leipzig erlebt haben. Sie werden vielleicht, wenn das Material einmal in guter Vervielfältigung vorliegt, für den Spezialfall einer Aufführung in kleinem Rahmen, eine Ihnen noch möglich erscheinende Reduktion vornehmen, die dann bei Gelingen für alle ähnlichen Fälle, als Vorbild dienen kann.
In den nächsten Tagen werden die „Gurre-Lieder“ hier drei mal erklingen: Mittwoch als nicht öffentliche Generalprobe, Donnerstag als öffentliche und Freitag als Aufführung. – Es tut mir sehr leid und mit mir wahrscheinlich sehr vielen Anderen, dass Sie zur Aufführung nicht hier sein werden und ich wünsche nur, dass sie gut werde und Ihnen neue, begeisterte Anhänger bringe.
Mit vielen herzlichen Grüssen

Ihr Ihnen immer warm ergebener
Hertzka

 
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