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Wien 7. Jänner 1914.
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Berlin
Lieber Herr Schönberg !
Von meinem Feiertagsurlaub zurückgekehrt, finde ich Ihre gesch. Zuschrift vom 27. pto. vor. Es tut mir herzlich leid, dass ich den Brief nicht rechtzeitig erhalten habe, denn ich hätte wahrscheinlich, um Ihnen aus der peinlichen Verlegenheit vor dem 1. Jänner zu helfen, Ihren Wunsch noch ein letztesmal erfüllt. Nun nehme ich an, dass Sie die betreffende Angelegenheit auf anderem Wege ordnen konnten und dass daher die Dringlichkeit für einen weiteren Vorschuss nicht vorliegt.
Ich treffe Mittwoch, den 14. ds. in Berlin ein und möchte am liebsten im Laufe des Mittwoch-Vormittags mit Ihnen zusammenkommen und verschiedene Fragen besprechen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch eine Zusammenfassung unserer verschiedenen Abmachungen mit Ihnen durchsprechen und endlich zu einem neuen, einheitlichen, klaren Vertrag kommen. Es liegt nicht in meiner Absicht, diesen Vertrag für Sie irgendwie ungünstiger zu gestalten.
Das Mahler-Buch haben Sie wohl inzwischen schon erhalten.
Was Ihren Wunsch wegen Ankündigung Ihrer letzterschienenen Werke in den Musikzeitungen betrifft, so kommt derselbe insoferne postfestum, weil verschiedene der letzten Werke wiederholt in Musik-Zeitschriften angekündigt waren. Die neuen Klavierstücke zum Beispiel sind seit vielen Wochen allabendlich in Wien in allen Konzerthaus-Programmen angekündigt. In den Berliner „Signalen“ war unlängst ebenfalls ein diesbzgl. Inserat. Ich werde aber jetzt trotzdem ein ganzseitiges Inserat in zahlreichen Fachblättern über Ihre letzten Neuerscheinungen aufgeben und werden darin die Einzelausgaben der „Gurre-Lieder“ und alles Weitere in ausführlicher Weise aufgenommen werden. – Ein Spezialkatalog Ihrer Werke ist schon seit längerer Zeit in Vorbereitung, doch hauptsächlich wegen der unleidlichen Buchdruckerstreik-Verhältnisse konnte die Sache bisher nicht ausgeführt werden. Ich habe mir für diesen Katalog bereits ein sehr gutes Klischee Ihres besten Porträts anfertigen lassen und hoffe, dass dieser Spezialkatalog nun tatsächlich bald herauskommen wird.
Die Nikisch-Aufführung der Kammersymphonie in Leipzig findet heute statt; ich bin selbst sehr neugierig, wie die Sache werden wird. Eine vorbildliche Wirkung auf die anderen Dirigenten traue ich mir nicht davon zu versprechen.
Riesig froh bin ich, dass Sie sich von der Leipziger Aufführung der Gurre-Lieder das Beste versprechen. Ein starker Leipziger-Erfolg ist allerdings sehr wertvoll. Im Londoner „Musical Times“ soll in der Nummer vom 1. Jänner ein längerer Artikel über Sie stehen. Ich lasse mir das Heft eben kommen und gebe Ihnen evt. über den Inhalt später Nachricht.
Ich danke Ihnen noch schliesslich herzlich für die lieben Worte, aus denen die gute Gesinnung, die Sie mir entgegenbringen hervorgeht. Dass mir diese gewahrt bleibe, wünsche ich mir von Herzen. Mit den besten Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung
ergebener
Hertzka
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