| ARNOLD SCHÖNBERG
ROQUEBRUNE - CAP MARTIN
PAVILLON SÉVIGNÉ
FRANKREICH
21.X.1928
Herrn Direktor Herzka[!]
Universal Edition
Wien
Lieber Herr Direktor,
ich habe in der letzten Zeit den Text zu einem abendfüllenden Oratorium vollendet und beabsichtigt, ihn nach eineigen Verbesserungen sofort zu komponieren; eine Arbeit, die im günstigsten Falle mehrere Monate und dann noch doppelt so lang für die Partitur erfordert hätte. Nun aber ist eine Wendung eingetreten: es sind mir einige Textbücher angeboten worden von denen mich ein einaktiges so sehr interessiert, so dass ich Lust habe es zu machen. Die Komposition dieses Stückes das der Vorteil hätte, sich auch textlich gut mit meinen beiden anderen Einaktern zu einem vollen Abend zu verbinden, würde vielleicht in 8-10 Wochen, die Partitur dann in ebensolanger Zeit (hier ist kein Chor) fertig sein können: mutmaasslich[!] würde somit dieses innerhalb unserer Vertragszeit fallende begonnene Werk ausserhalb derselben fertig werden. Und nun habe ich schon vor eineiger Zeit bemerkt, dass hier ein Problem liegt, das wir bei Abschluss unseres Vertrages nicht bedacht haben. Nämlich: wenn ich auch absolut der Meinung bin, dass das Datum der Fertigstellung das alleinig massgebende ist, so wäre mir ein hässlicher Streit an sich ziemlich unangenehm,. Hier aber, bei diesem Bühnenwerk schiene er mir vermeidbar, da ich aufrichtig gestanden selbst ein gewisses Interesse daran (kein lebenswichtiges zwar), das Werk im selben Verlag zu haben, wie die beiden anderen Opern.
Ichabe[!] Ihnen damit gesagt, dass ich also bereit wäre, eventuell ausserhalb unseres eben ablaufenden Vertrages in irgendeiner noch zu findenden Form, auch dieses Werk noch der UE zu überlassen. Nur muss ich gleich von vornherein einige Einschränkungen machen: I. Ich sehe ein, dass Ihnen daran liegen wird, das starkbelastete Konto "Neue Werke" mittelst dieses Werkes eventuell einwenig zu senken; aber ich muss gleich von vornherein erklären, dass ich es nicht akzeptieren könnte, wenn dieses Werk mehr als einen noch zu verainbarenden Teil der Gesammtlat sollte innerhalb einer gewissen Frist müssen tilgen helfen; II. Es müsste ausdrücklich festgestellt werden, dass mit 31. Dezember 1928 meine Verpflichtung zur Lieferung von Werken erlischt und die UE keine Ansprüche erhebt auf Werke, die zu dieser Zeit nicht fertig waren.
Ich will aber gleich bei dieser Gelegenheit unter meinem Ehrenwort erklären, dass es solche Werke voraussichtlicht nicht geben wird, mit Ausnahme eben dieser Oper, deretwegen ich ja eben dieses Problem aufrolle. Und mein einziger Grund ist der, dass ich späters Streitigkeiten vermeiden will. Deshalb würde ich wahrscheinlich, falls Sie mir nicht einen sofort akzeptierbaren Vorschlag machen können (Ich brenne darauf zu arbeiten; gar nicht aber auf eine lange Korrespondenz), lieber darauf einstweilen verzichten müssen das Stück zu komponieren. Wenn Sie es wünschen, kann ich Ihnen ein Exemplar des Buches zusende lassen. Doch bitte ich Sie um beschleunigte Erledigung, da ich gerne arbeiten möchte.
Wenn Sie mich fragen würden, in welcher Art Ihr Vorschlag denn ungefähr sein könnte, so möchte ich sagen: etwa eine Variation des zwischen uns bestehenden eben ablaufenden Vertrages. Aber: wie? das müssen Sieeben[!] finden.
Schreiben Sie bitte noch weiter hieher. Ich weiss noch immer nicht, wann wir hier weggehen werden.
Heite[!] habe ich Ihnen telegrafiert: die UE hat meine sämtlichen letzten Briefe und Sendungen unerwidert gelassen. 1. Was ist mit der Photographie der Variationen-Partitur? 2. Hat sie Furtwängler schon? 3. Warum retourniert man mir die Partitur nicht? 4. Haben Sie die Stichanweisungen erhalten? Und die Vorbemerkungen? 5. Haben Sie die Bach Instrumentierungen erhalten? 6. Meinen diesbezüglichen Brief? 7. Haben Sie die dort erbetenen Zahlungen geleistet? 8. Warum schreibt mir Herr Stein nicht und warum nach Berlin????
Bitte all das und was ich eventuell sonst noch gefragt habe zu beantworten. Ich hoffe, soweit stehe ich der UE doch noch dafür? Trotz dieser alten Sache mit dieser neuen Sachlichkeit! Die ich (wie K. Kraus sagen würde) schon gekannt habe, als sie noch ganz alt war.
Viele herzliche Grüsse: Was machen Sie übrigens? Sie schreiben niemals etwas von sich, obwohl ich mic[h] danach x-male schon vegeblich erkundigt habe. Ihr
(Ich bin wirklich ein zerstreuter Professor!)
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