| Roquebrune Cap Martin
Pavillon Sévigné
28.IX.1928
PT U.E.
ich bemerke schon seit einiger Zeit, dass Sie (trotz meiner wiederholten Reklamationen und trotzdem ich bei Herrn Direktor Winter aus unserer Korrespondenz einwandfrei das Gegenteil festgestellt habe) immer wieder die M500-Zahlungen um zwei Monate früher dateiren, als es den Tatsachen entspricht. Ich muss nun ehe ich einen Vorschlag zur Güte mache, vorausschicken, dass ich unbedingt auf Enhaltung unseres Vertrages bestehen muss und diesen Vorschlag nur deshalb mache, weil ich in de ablaufenden fünf Vertragsjahren nicht in der Lage war, der UE jenes grosse Millionen einbringende Werk zu liefern von welchen sie bei Abschluss des Vertrages scheinbar geträumt hat; weil ich also daran denke, das Ende unseres langjährigen Vertragsverhältnisses mit einem gegenseitigen Akt der Courtoisie und der Noblesse erfolgen zu lassen.
Ich bin also bereit, in wenigen Wochen eine bereits vor einigen Monaten zu bedeutendem Teil fertiggestellte Orchesterbearbeitung eines Bachschen Orgelwerkes (Präludium und Fuge in Es, Dauer ungefähr 15 Minuten, Partitur etwa 50 Seiten 32-zeilig) so zu liefern, dass es noch in dieser Saison aufgeführt werden kann. Und zwar als Leistung innerhalb unseres fünfjährigen Vertrages, welche mit der Lieferung der Orchestervariationen vollerfüllt ist.
Dagegen verlange ich, dass ohne weiteres Reden und Diskutieren, die Uebertragung der ohne meine Zustimmung auf Neue Werke belastenen 1,000 Mark auf das Konto alte Werke erfolgt. Und zweitens einen Vorschuss von tausend Mark auf das Konto neue Werke.
Die Uraufführungung bitte ich einstweilen nicht zu vergeben, da ich sie ganz gerne selbst machen möchte.
Ich nehme dabei als selbstverständlich an, dass die beiden Partituren sofort gestochen und Klavierauszüge hergestellt werden. Ich bitte, mir gleich zu antworten, da ich in diesesem[!] Falle gleich wieder der Arbeit an dem Stücke beginnen würde.
Ich möchte Ihnen noch mitteilen, dass ich mich mit der Absicht trage, von meinen letzten Kammermusikwerken, nämlich: der Serenade, dem Bläserquintett und der Suite op. 29 Orchesterbearbetungen herzustellen, um der Verbreitung dieser Werke ein wenig nachzuhelfen.
Zu den Orchestervariationen:
Hiezu kommen, wie zu allen meinen letzten Instrumentalwerken, die gewissen Vorbemerkungen. Bitte senden Sie mir umgehend eine Abschrift der letzten Fassung aus der Suite op. 29, damit ich sie entsprechend redigieren kann. Notizen dazu finden sich auf den Umschlagblättern der Partitur. Ich muss diese also auch mitzurückbekommen.
Ich bleib hier gewiss noch 8-10 Tage und gedenke dann entweder nach Berlin oder aber, wie leicht für einige Zeit, nach Paris zu gehen. Jedenfalls aber möchte ich gerne noch diese partitur für diese Saison zurecht bringen.
Einstweilen bin ich mit den besten Grüssen an meine Freunde bei der UE, Ihr
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