Arnold Schönberg Center - Brief Datenbank
Date from letter: 1921.07.08 Filing Element: 1921.07.08
ID: 616
To
Name: Hertzka, Emil
Title: Herr Direktor
Company: Universal-Edition A.G.
First Line: beiliegend ein Brief des Herrn Freyer (Koncertgebo
Additional enclosures: Letter from AS to Herr Freyer, 1921.07.08; and letter from Freyer to AS, 1921.06.30.
Language: G, German
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Version: Final version
Text:

Mattsee, 8. Juli 1921

Lieber Herr Direktor Herzka[!],
beiliegend ein Brief des Herrn Freyer (Koncertgebau) und die Kopie meiner Antwort. Ich lege Gewicht darauf daß Sie sich dazu ebenso stellen und bitte Sie sich die Antwort über die Frage der Aufführung bloss eines Teiles eventuell zu kopieren, und wenn Sie es nicht in Ihrem Namen mit eigen Worten tun wollen, in meinem Namen diese Erklärung wörtlich abzugehen. Ich halte diese Entscheidung för richtig und wichtig. Die Gurrelieder wirken nur als Ganzes so, wie es für die Seiterverbreitung gerade dieses Jugend-werkes nötig ist: es muß der Siedegrad der Begeisterung jedes mal erreicht werden. Ein Grad bei einigen Aufführungen wenig und weitere Aufführungen sind fraglich. Es ist eben ein Jugendwerk und solche sind auch bei Beethoven nicht vor dem Veralten geschützt. Übrigens aber muss ich Ihnen sagen, dass die Absicht Mengelbergs nicht auf praktische Erwägungen zurückzuführen ist, sondern auf die lästige Vorlautheit dieses Dr. Rud. Mengelberg, der die Selbständigkeit seiner Meinungen zu beweisen, entgegen allen Erefahrung habe allen Aufführungen behaupten soll, der zweiten Teil schaffschwacher[!], dergen bei allen bisherigen Auufführungen[!], behaupten soll, der zweite Teil sei schwacher. Geben Sie hier nun auch nur ein einziges Mal nach, so schaffen Sie der Dummheit des Herrn Rudi zuliebe ein Präjudiz wleches[!] die Aufführung des Werkes als Ganzes, wenn nicht verhindert, so doch erschwert. Ich bin übrigens unbesorgt: wenn Mengelberg das Werk als Ganzes selbst daraufhin (was ich übrigens nicht für gewiss anscaaua[!] halte) heuer nicht aufführt, so wird er es umso bestimmter nächte Jahr tun. Denn er braucht meine Werke nicht nur für Holland, sondern insbesondere für Amerika, wo man sie von ihm verlangt, und vor allem aber auch zu Vervollständigung seines Repertoires als moderner Dirigent: und er ist viel zu klug um sich auf die Daer einen so grossen Dirigenten erfolg entgehen zu lassen; wie an ihn nach den 2. Teil hat.
Zur Frage der Harmonielehre-Übersetzung: Das Urteil des Herrn Cord van der Linde[!], eines Hollanders, der hier ist um bei mir während des Sommers zu lernern lautet, der Hauptsache nach, folgendermassen: Die Arbeit ist zwar nicht sehr feinfühlig, aber immerhin könnte sie vielleicht ganz brauchbar werden, wenn man Gelegenhait hätte, mit dem Man persönlich zu sprechen. Der grösste Fehler ist eine gewisse Freiheit der Wiedergabe, welche
[aside:] Ich schreibe, wenn auch schon ziemlich schnell, so doch n[ilg.]sehr fehlerhaft mit der Machine wieder sehen.
[continues:] jedoch nicht aus der Beherrschung der Aufgabe entspringt, sondernaus der Unzulänglichkeit des Könnens. Daher bleibt er auch hineer[!] der Deutlichkeit und Ausdruckskraft des Originals immer betrachlich zurück. Ob das, was Herr Engel schreibt ein litterarisch[!]--hochstehendes English, oder bloss das eines Zeitungsartikels oder am Ende gar nur das eines Mittelschülers ist--das kann Herr Cort nicht beurteilen.
[...]
DAS IST ABER LEIDER DTE[!] HAUPTSACHE!
Damit steht und fällt das ganze Werk.
Jedenfalls müsste das ganze Probestück erst einmal auf diese Frage hin geprüft werden.
Ich schlage zu diesem Zweck Herrn Cecil Gray vor und bitte Sie, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Sollte er dafür nicht zu haben sein, so könnte ich eventuell durch meinen ehemaligen Schüler Edward Clark, welcher letzthin mit viel Erfolg die Kammersymphonie aufgeführt hat, einen geeigneten Prüfer erfahren.
Den Tonwillen finde ich nicht nur sehr interessant, sondern auch sehr sympathisch. Den Ausländerhass des Dr. Schenker teile ich nur aus einem Grunde nicht: weil ich nicht hassen will. Verachten vielleicht, aber auch das mit Mass Mss. Mir genügt eigentlich die Nichtliebe; und als Gegenmassnahme gegen Zusbrüche des Hasses der anderen, soweit je dagegen nicht ohnedies immun bin, kann ich mich viel ganz gut auf das Minnimum einer Abwehr in Parenthese beschranken. An Gemüt und darum auch an Gemütsaufwallungen ka[nn] ich Ihnen sowenig wimen, dass ich leicht imstande bin, den rein geisigen Zorn zu temperieren; wie es sich für diesen schickt. Immerhin habe ich mich über vieles sehr gefreut, weil es sich gedeckt hat--zum Teil sogar wörtlich mit von mir getanen aeusserungen dinge, die gesagt werden mussten: was ich auch zum teil bereits getan habe und insbesondere aber, wonach ich bereits gehandelt habe, als ich z.B. Anträge das herrn Prünière, des che[!] Chesterian und anderer französischer und englischer Zeitschriften ignorierte oder ihnen durch Dritte (Dr. Wellesz) abschlägigen Beischeid sagen leiss. Das ist dann die positive und herroischere Formder Behandlung [ilg.] solcher Angelegenheiten.
Noch eine Kleinigkeit: im Chesterian finde ich eine Anzeige (oder wars im Melos?) der U.E.: ...das Schaffen der hefvorragendsten zeitgrnössischen[!] Komponisten in der U.E...."--Gehört da nicht vielleicht auh[!] ein gewisser Herr Alex. von Zemlinski[!] dazu? Es sollte der HERR der das bei Ihnen anfertigt, sich durch gründliche Information bei Sachverständigen, die hiefür nötige Objektivität verschaffen, ehe er es auf sich nimmt Leute vom Rang und von der Bedeutung eines Zemlinski[!] durch Kränkung zu reizen. Dabei sehe ich ganz von Dr. Webern ab, und Sie ja wohl [...] nicht etwa deshalb drucken weil er nicht einmal so bedeutend ist, wie Braunfels--den der Waschzettelhersteller aber erwähnt!!!
Ich dürfte Mattsee in der nächsten Zeit verlassen. Die Gründe dafür werden Sie ja schon durch die ekelhafte Pressenotiz erfahren haben. Ich bitte Sie--obwohl ich übsrzeugt[!] bin dass Sie mich gut genug kenne, um meinen Standpunkt: meine Privatangelegenheiten gehen die Oeffentlichkeit nicht[!] nichts an, erraten haben, ohne dass ich es Ihnen sagen muss sich darüber nicht weiter ein Aufsesn[!]. Wahrscheinlich hat irgend ein Sommerfrischling das auf dem Gewissen, dass ich jetzt unschuldig durch alle Zeitungen des In- und Auslandes geschleift werde, wo ich es so gut verstehe derlei hinzunehmen ohne einen ton laut werden zu lassen.

Ich schliesse mit vollen herzlichen grüssen, Ihr Arnold Schönberg

N.B.: Ich hatte angefangen der "Zusammenhang["] zu schreiben. Muss aber nun unterbrechen.
Meine nächste Adresse teile ich Ihnen mit, sobald ich sie weiß.
Vielleicht gehe ich nach Mödling zurück.


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